Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 303 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 303 bildende Thätigkeit auf unsere Glaubensgenossen auSüben will und ausübt. Wie jeder, der Geschichte und Politik der modernen Völker kennt, sieht auch Philippson den Wunsch der Zionisten, in Palästina einen Judenstaat zu errichten, für unerfüllbar an. Er hebt hervor, daß gegenüber dem natürlichen Wunsche der Türken, Palästina in ihrer unmittelbaren Gewalt zu behalten, sowie gegenüber der tief innerlichen Verknüpfung der Christenheit mit dem heiligen Lande, dessen Besitznahme durch die Juden überhaupt unmöglich ist. Die Jahresübersicht hat leider schon zu berichten, daß der Zionismus bereits das gerade Gegentheil des von ihm Erstrebten zur Folge gehabt hat. Die türkische Regierung erließ nämlich ein strenges Verbot fernerer Einwanderung von Juden in Palästina, und der türkische Gesandte in Washington drohte den türkischen Israeliten klar und deutlich mit dem furchtbaren Schicksal der Armenier, wenn sie Selbstständigkeitsgelüste zeigen sollten. Unter diesen Verhältnisien nützt es wenig, daß der zweite Kongreß der Zionisten, der am,28. und 29. August 1898 in Basel tagte/ den Plan der Errichtung eines Judenstaates aufgegeben hat. Wenn der Zionismus jetzt Förderung von Ackerbau- und Jndustriekolonien in Palästina und Syrien erstrebt, so hat er leider selbst das mit gutem Erfolge begonnene Kolonisationswerk arg gefährdet und seine Ausdehnung vielleicht für immer unmöglich gemacht. Gefährlich und unerreichbar ist auch eine andere Forderung des Zionistenkongresies, nämlich „geistige Wiedergeburt des jüdischen Volkes durch Verbreitung der Kenntniß der hebräischen Sprache und Literatur." So sympathisch wir auch der Verbreitung dieser Kenntnisie gegenüberstehen, für so thöricht halten wir den Wunsch, eine tobte Sprache wieder zur Familien- und Gemeindesprache zu erheben. Würde doch auch dadurch der oft gerühmte Vorzug des Hebräischen als Gebetssprache, daß in einer andern Sprache als der des täglichen Lebens gebetet wird, verloren gehen. In einer Zeit, die im Zeichen des Verkehrs steht, wäre auch die Schaffung einer neuen Schriftsprache für Handel und Wiffenschaft gleich schädlich. Endlich, und das hätte von Philippson schärfer hervorgehoben werden müffen, denkt die ungeheure Mehrzahl der Deutschen jüdischen Bekenntnisses garnicht daran, ihre liebe deutsche Muttersprache aufzugeben und wünscht keine „Wiedergeburt des jüdischen Volkes", sondern nur Erhaltung der jüdischen Religion und Sicherheit ihrer Bekenner vor ungerechten Angriffen. Aus dem weiteren Inhalte des Buches interessiert besonders ein Aufsatz des kürzlich verstorbenen, von jüdischen und christlichen Gelehrten gleich hochgeschätzten Professors S t e i n t h a l: „Die Idee der Weltschöpfung", sowie der Aussatz von Schreiner: „Was lehrten