Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 278 (sequence 6)
- Language
- German
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278 3m deutschen Reick. mehr erreicht habe», wenn sie nicht eine besondere Reichstagsfraktion gegründet hätte." Der Gedanke, den Antisemitismus der Reform« Partei zu entziehen und zu einem privilegierten Nebenberuf der Konservativen zu machen, ist fetzt in einzelnen politischen Kreisen wieder so mächtig geworden, daß dieselben sogar bereits eine Rehabilitierung des Hofpredigers a. D. Stöcker für möglich halten. Der Abg. von Kardorff meinte zwar am 4. Mai bei der Debatte über die Arbeitskammern: „Was würde Herr Stöcker, der doch gar keine Partei mehr hinter sich hat, dazu sagen, wenn ich ihm Vorhalten wollte, daß ihm doch nachgerade keine Partei mehr über den Weg traut?" Der „Frankfurter General-Anzeiger" brachte aber kürzlich eine Notiz, die wesentlich anders lautet. Da hieß es: „In einer Zeit, wo der Hofprediger Stöcker schon „unten durch" war, konnte man an einem Tischchen vier leibhaftige Minister sehen, die den Stöcker darüber inquirierten, was er wohl über die Umsturzvorlage denke . . . Und nun erfahren wir aus Kreisen, die es wissen müssen, daß bei Hofe die gereizte Stimmung gegen den Mann der Berliner Bewegung nicht nur nachgelassen hat, sondern daß man den Namen Stöcker sogar schon ohne Gefahr an der Stelle nennen darf, wo noch vor gar nicht langer Zeit Graf Görtz aus Schlitz eine heftige Antwort erhielt, als er zu vermitteln gedachte." Der Muth der Kreuz- Zeitung-Partei ist offenbar wesentlich durch die Vorgänge im preußischen Abgeordnetenhause gekräftigt worden. Der im eigenthümlichsten Gegensatz zu der Stimmung im deutschen Reichstage stehende Geist, der im preußischen Landtage vorherrscht, gab sich be» sonders deutlich bei der Debatte über die konfessionelle Volksschule kund. Es handelte sich darum, ob die freikonservative Resolution angenommen werden sollte, die eine Neuregelung der Schullasten verlangt, oder die konservative, die gleichzeitig damit eine gesetzliche Festlegung der konfessionellen Volksschule (Z e d l i tz' s ch e s Schulgesetz) haben will. Nachdem Redner von jeder Parlei im Hause gesprochen hatten, faßte der Kultusminister Bosse das- Ergebniß dahin zusammen, „daß es kaum noch jemanden! giebt — wenig st ens in diesem hohen Hause — der: be st reitet, daß verfassungsmäßig und thatsäch» lich bei uns dieKonfessionalität derVolksschule die Regel i st." Die „Frankfurter Zeitung" bemerkte hierzu: „Nach dem Minister kamen noch zwei freisinnige Redner zum Worte, ohne gegen diese Zusammenfassung zu protestieren. Bisher war es liberale Anschauung in Preußen, daß die Schul« „in der Regel"' eine Gemeindeeinrichtung ist, und daß sie eben so wenig konfessionell.