Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 277 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 277 «ufrufen sollen gegen den jüdischen Theil der Bevölkerung, während ich unter dem Beifall der Zuhörer die Anwendung der vollen Schärfe des Gesetzes gegen die sozialdemokratischen Hetzer und Wühler verlangte, die zum Klafsenkampf aufreizen!" Die „Staatsbürger-Ztg." äußerte sich tief empört darüber, daß der O b e r st von Krause im „Central - Verein der Konservativen vor dem Potsdamer Thor" am 5. Mai erklärte: „Die Konservativen dürfen mit den Christlich- Sozialen und den Antisemiten nicht zusammengehen, schon wegen der darin allzureichlich enthaltenen demokratischen Elemente." Der Vorsitzende des Provinzialverbandes der deutsch-sozialen Reformpartei für Brandenburg und Berlin, Otto Heinrich Böckler, veröffentlichte eine Gegenerklärung, in welcher er sich eine solche Verdächtigung seiner Partei verbat, auf die zahlreichen „Judenabkömmlinge" in den konservativen Reihen verwies und die Kampfesweise gewisser Konservativen als „demagogisch" bezeichnete. Zu den „gewiffen Konservativen" zählt Herr Böckler wahrscheinlich die Anhänger der „Kreuz-Ztg." nicht; denn diese hat, trotzdem in derselben die „Todtenklage" Witowski's veröffentlicht wurde, inzwischen wieder «ine Schwenkung vollzogen, welche von dem sührenden Organ der deutsch-sozialen Reformpartei „Deutsche Wacht" zwar freudig begrüßt wurde, aber doch auch die Warnung veranlaßte, „daß die Tivoli- Konservativen den Reformern nur ähnlich werden wollten, um ihnen den Boden zu entziehen." Ein gleiches Streben giebt sich auch im Lager der Agrarier kund, was die Führer der deutsch-sozialen Reformpartei selbstverständlich tief erbittert. In einer Rede, welche der Vorsitzende des Bundes der Landwirthe, Abg. von Wangenheim, kürzlich in Gotha gehalten hat, sagt derselbe: „Eine Partei, die auch mit zu den Parteien des Mittelstandes gehört, ist die kleine deutschsoziale Reform- oder antisemitische Partei. Obgleich die Führer derselben, speziell Herr Liebermann von Sonnenberg, in wirthschaftlichen Fragen Hand in Hand mit uns gehen, bedauere ich offen, daß diese Partei gegründet worden ist. Ich habe die Wahrnehmung gemacht, daß es viel richtiger ist, nicht neue Parteien zu gründen, sondern berechtigte Forderungen des Mittelstandes und der Landwirthschaft im Rahmen der alten Parteien zu stellen. Das Berhältniß des Bundes der Landwirthe zur antisemitischen Partei ist «in durchaus freundliches; dieselbe ist in den meisten Fragen mit dem Bunde gegangen. Aber trotzdem bedauere ich, daß sie gegründet worden ist, denn sie reibt sich in dem Bestreben, sich als Partei zu erhalten, auf. Ich bin überzeugt, die antisemitische Bewegung würde