Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 275 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 275 mutig zu beantragen, und als dieser Antrag abgelehnt wurde, die Aussetzung dadurch zu erzwingen, daß er die Beschlußfähigkeit deS Hause» anzweifelte. Immerhin haben die Antisemiten im deutschen Reichstag« mit dem Schächtverbot-Vorstoß nicht ungünstiger abgeschnitten, als in verschiedenen Einzellandtagen, am ungünstigsten wohl in Baden, wo die Zweite Kammer die Petition der badischen Thierschutzvereine mit allen gegen drei Stimmen ablehnte und die Erste Kammer über diese Petition einfach zur Tagesordnung überging. Die schächtfeindliche Presse äußerte sich über diese Vorgänge mit großer Verbissenheit. Die agrarisch-antisemitische „Deutsche Tageszeitung" ließ sich aus Karlsruhe berichten: „Von besonderm Interesse war die Aeußerung eines Ministerialraths, der sich dahin aussprach, die Regierung lege im Hinblick auf die antisemitische Bewegung Werth darauf, daß über die Petitionen zur Tagesordnung übergegangen werde. Wir verstehen diese Aeußerung durchaus nicht. Die antisemitische Bewegung hat mit dem Schächtverbote nichts zu thun. Eine an sich nothwendige und humane Maßregel deshalb zu unterlassen, weil sie «inen a n t i s e - mitischen Beigeschmack haben könnte, dessen halten wir zunächst noch keine deutsche Regierung für fähig. Der Herr Ministerialrath wird sich wohl etwas mißverständlich ausgedrückt haben." Die „Badische Landpost" charakterisierte die Begründungen, welche die einzelnen Parteivertreter in der Zweiten badischen Kammer ihrem ablehnenden Votum beigaben, als eine Apologie des Judenthums, indem der Kommissionsbericht, dem die Mehrheit der Kammer zustimmte, das Schächtverfahren das „idealste" und „humanste" aller Thiertödtungs-Arten nannte! Eine nicht minder bedeutsame Niederlage als die beim Schächtantrage erlittene, erfuhren die Antisemiten im deutschen Reichstage in den letzten Apriltagen dadurch, daß die von ihnen heftig bekämpfte Novelle zum Bankgesetz definitive Annahme fand. Der Versuch des antisemitischen Abg. Naab, in einer schönen langen Rede dem Lande zu beweisen, wie gründlich seine Partei auch im Reichstage die verkehrte Geschäftsführung der Neichsbank zu verurtheilen verstehe, mißglückte kläglich. Der Abg. Fischbeck benutzte die Gelegenheit, um der politischen Bethätigung der Antisemiten den Spiegel der Kritik vorzuhalten: wie sie draußen in ihrer Agitation den Mund ausreißen, ihn aber im Parlament, wo es auf wirkliche Arbeit ankommt, fest verschließen. Herr Fischbeck konstatierte, daß Raab als Mitglied der Bankkommission während der Kommissionsberathung unverbrüchlich stumm geblieben sei. Herr Fischbeck berief sich auch auf das Der-