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Im deutschen Reich · 1899-05-01 · Heft 5 (Mai 1899) · p. 265

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 5 (Mai 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-05-01
Page
265 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Lin verkanntes Proletariat. 265 bestätigt. In dieser Branche werden die Arbeiter von etwa 1000 jüdischen Meistern, den sogenannten „Sweatermasters",'beschäftigt, von denen 75 Prozent ebenfalls in ziemlich schlechten Verhältnissen leben. Das Wort „Meister" darf überhaupt beim „Sweating" nicht im gewöhnlichen Sinne verstanden werden. Der Meister ist selbst Arbeiter und arbeitet mit derselben Hartnäckigkeit wie seine Angestellten, nur daß er seinen Lohn direkt von den großen Kaufhäusern der Oxford- und Regent-Street, den eigentlichen „Sweaters", erhält. Im ganzen East-End giebt es vielleicht 100 Werkstätten, in denen der Besitzer mehr als 50 oder 75 Arbeiter während der guten Saison beschäftigt. Diese Arbeiter haben im Allgemeinen eine bessere Stellung. Das wirkliche Elend herrscht aber beim kleinen Schneider, der nur 5 oder 6 Arbeiter beschäftigt und der nicht in Werkstätten arbeitet, sondern in den Schlafräumen, in der Küche, wo das Essen eingenommen wird, oder in Kellern, wohin sich nie ein Sonnenstrahl verirrt. In diese Löcher werden die „Greeners" bei ihrer Ankunft in London gesteckt und hier arbeiten sie 6—12 Monate als Lehrlinge, ohne Lohn und bei ganz mangelhafter Verpflegung. Da ihre Lehrzeit sehr kurz bemessen ist, so können sie natürlich nur einen ganz geringen Theil des Handwerks erlernen, ja die Arbeitstheilung ist so weit durchgeführt, daß ein Arbeiter, der einen Rock aufbügeln kann, nicht versteht, eine Weste und die Westenbügler ebenso wenig ein Beinkleid zu bügeln?) Diese gesteigerte Arbeitstheilung hat nicht nur eine Herabdrückung der Löhne zur Folge, sondern bewirkt auch, daß die billigen Kleidungsstücke zum größten Theil von Schneidern hergestellt werden, die eigentlich gar keine Schneider sind. Wenn z. V. ein großes Haus 1000 Kleidungsstücke in einer sehr kurzen Frist liefern muß, so schickt es den bereits zugeschnittenen Stoff in 10 verschiedene Werkstätten. Können diese ihrerseits den Auftrag bei der Kürze der Zeit nicht rechtzeitig erledigen, so vertheilen sie die Arbeit auf verschiedene kleinere Werkstätten, und auf diese Weise werden mitunter in einer Werkstatt nur Aermel eingenäht. Man muß nun aber die großen Ateliers, wo die Arbeiter ft Fiftli Report from the Select Committee of the House of Lords oii the Sweating-System. London 1890. S. 104. 18*

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