Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1899)
- Article
- Ein verkanntes Proletariat
- Date
- 1899-05-01
- Page
- 266 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316650-2316656-2324112--05338-2324196- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
206 Im deutschen Reich. trotz einer täglichen Arbeitszeit von durchschnittlich 14 bis 16 Stunden doch in einigermaßen günstigen Gesundheitsverhältnissen leben, von den kleinen Löchern oder „Lvsatsrs cksns", wie man sie auch nennt, unterscheiden. Die 6 bis 10 Arbeiter, die hier beschäftigt sind, leben unter geradezu abscheulichen hygienischen Bedingungen und erhalten bei einer langen Arbeitszeit doch nur wahre Spottlöhne. Die Haare stehen einem zu Berge bei dem Anblick der Räume, in welchem die jüdischen Arbeiter beiderlei Geschlechts ihr Leben zubringen. Mr. Monro berichtet von einem Fall, wo ein masernkrankes Kind mit einem in der Herstellung begriffenen Kleidungsstück zugedeckt war. „Drei oder vier Gasflammen flackern in dem dumpfigen Zimmer, ein armseliges Koksfeuer glimmt im Heerde; der Ausguß ist offen, der Abort ohne Wasser, die hygienischen Zustände sind erbärmlich/") Ein anderer Augenzeuge erzählt, daß ein Raum von 15 Fuß Länge und 9 Fuß Breite, in dem ein Mann mit seiner Frau und sechs Kinder schliefen, außerdem noch 10 Leuten als Arbeitsstätte diente, so daß bei dem Anbruch der Nacht 18 Personen in diesem Zimmer zusammengepfercht waren?) Die Mädchen schlafen mit den Männern in einem Zimmer, und es ist wirklich wunderbar, daß, wie mir Mrs. Sidney Webb (Miß Beatrice Potter), die selbst 2 Jahre im East-End als Schneiderin gelebt hat, versicherte, die Prostitution bei den jüdischen Mädchen so gut wie unbekannt ist. In manchen Werkstätten befindet sich das Water - Closet im Arbeitsraume, in unmittelbarer Nähe der Arbeiter, dicht hinter dem Ofen, der zum Heißmachen der Eisen dient, also gerade an der heißesten Stelle des Zimmers. Es fehlt jeder Anstand, und man kann sich leicht die Folgen einer solchen Verunreinigung vorstellen.'") Ein anderer Augenzeuge berichtet von einer auf dem Hofe gelegenen Werkstatt; in der Mitte stehen 3 Nähmaschinen, ein Ofen und ungefähr 9 Gasflammen strömen Hitze aus, und durch ein zerbrochenes Schiebefenster schlägt der Regen herein. Wie Mr. R. C. Billing, gegenwärtig Bischof von Bedford, versichert, sind diese armen Leute auf einen einzigen Raum beschränkt; hier arbeiten und wohnen sie; hier liegen alle 5) Ebenda. 6i Ebenda. ') Ebenda.