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Im deutschen Reich · 1899-05-01 · Heft 5 (Mai 1899) · p. 264

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 5 (Mai 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-05-01
Page
264 (sequence 3)
Language
German
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264 I«n deutschen Reich. Hier führte man die Neuangekommenen in bestimmte Häuser, gab ihnen zu essen, beraubte sie der paar Groschen, die sie noch hatten, und wenn sie nicht mehr zahlen konnten, bot man ihnen in aller Güte Arbeit .... unter dem „Sweating" an. In den letzten Jahren ist diese schändliche Ausbeutung fast ganz beseitigt oder doch sehr vermindert worden dank der Gründung des „Poor Jews Temporary Shelter“ (vorübergehende Zufluchtsstätte für arme Juden). Die Beamten dieser Anstalt, die durch besondere Uniform erkennbar sind, haben allein das Recht, an Bord zu gehen und alle Diejenigen, die nicht von Verwandten erwartet werden und keine Bekannten in London haben, in den „Shelter" mitzunehmen, wo sie zwei Wochen lang unentlich Wohnung und Verpflegung erhalten. Früher wurden auch an den jungen Frauen, die nach London kamen, Abscheulichkeiten verübt. Sie wurden ebenso ausgebeutet und ausgeplündert, und waren dann die ersten, die in den Werkstätten des „Sweating" verschwanden. Außerdem wurde ein regelrechter Handel mit den Frauen getrieben. Eine „Gesellschaft" hatte sich gebildet zum Verkauf der jüdischen Frauen von Hamburg nach London, von wo aus sie dann weiter nach Buenos Ayres oder nach anderen Plätzen befördert wurden. Dieser schändliche Handel hat jetzt fast gänzlich aufgehört. Dank dem Eingreifen der „Jewish. Association for the Protection of Girls and Woman“ (Jüdische Vereinigung zum Schutze von Mädchen und Frauen), deren (weibliche) Beamte alle Mädchen, die ohne Obhut nach London kamen, in ein Asyl bringen, wo sie, eine wie die andere, zwei Wochen hindurch Verpflegung und Unterkunft erhalten. Wegen ihrer Unkenntniß der Sprache und der Lebensbedingungen konnten die jungen Ankömmlinge nur dort arbeiten, wo sich bereits Glaubensgenoffen befanden, und so haben sich denn allmählich ganze „Trades" aus jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen gebildet. Bekleidungs-Konfektion. Ein jüdischer Schneider, Mr. Moses, Präsident der „Mutual Sailors Association", der im Jahre 1888 vor der Kommission des Oberhauses über das „Sweating-System" Bericht erstattete, versicherte mir, daß im East-End mindestens 10 000 jüdische Arbeiter in der Kleider- Konfektion beschäftigt wären. Die Thatsache wurde von den meisten anderen Personen, an die ich mich um Auskunft wandte.

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