Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 233 (sequence 10)
- Language
- German
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Vereins» achrichten. 233 verordneten auch Juden durch das Vertrauen der Bürgerschaft berufen worden. Heule aber, am Ende des Jahrhunderts, ertöne der Ruf: „Die Juden sind keine Deutschen, sind Fremdlinge, das Bürgerrecht muß ihnen genommen werden"; aus dem Munde eines Königlichen Amtsvorstehers habe man die unverhüllte Aufforderung zu den schlimmsten Gewaltthätigkeiten vernommen. Die Zusammenstellung dieser Thatsachen beweise zur Genüge die Berechtigung, ja die Nothwendigkeit des Central-Vereins. Die deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens hätten sich vereinigt, um in treuem Festhalten an ihrer Religion ihre bürgerlichen Rechte zu wahren, ihren Glauben nicht beschimpfen, ihre Kinder nicht in das Ghetto zurückdrängen zu laffen. Möchten auch die jüdischen Bürger Glogaus die Nothwendigkeit dieses Kampfes erkennen und durch ihre Mitarbeit helfen, das große Ziel zu erreichen! — Sodann ergriff Herr Dr. M o s e s das Wort, um in einem geschichtlichen. Rückblick erst die Entwicklung der antisemitischen Bewegung zu schildern und dann die Versuche aufzuzählen, die zu ihrer Bekämpfung gemacht worden seien. Bei aller Anerkennung und Dankbarkeit dafür, was der sogenannte „Gneist-Rickert'sche" Verein zur Abwehr und was das „Komitee zur Abwehr" geleistet, hätten die deutschen Juden doch erkannt, daß eine erfolgreiche Vertheidigung gegen eine Bewegung, die die Leidenschaften der großen Massen in Volksversammlungen und in den Parlamenten auswiegle, nur möglich sei, wenn die Angegriffenen selbst sich wehrten im vollen Lichte der Oeffentlichkeit auf dem Boden der Verfassung, die nicht verletzen zu lassen jedes Bürgers Pflicht sei. Der Redner legte sodann im einzelnen dar, auf welchen Wegen der Verein sein Ziel zu erreichen sucht, schilderte die Thätigkeit der Rechtsschutzkommission, die Ueberwachung der antisemitischen Zeitungen, die gerade durch die Wachsamkeit des Vereins gezwungen worden wären, in ihren Angriffen vorsichtiger und zurückhaltender zu sein, die Verbreitung von Schriften, die über das Judenthum belehren. Daß diese Thätigkeit nicht ohne Erfolg geblieben ist, wurde an einigen besonders bezeichnenden Beispielen nachgewiesen. Langanhaltender, begeisterter Beifall lohnte die. Ausführungen des Redners, und auf Ersuchen des Vorsitzenden dankte die Versammlung beiden Herren durch Erheben von den Plätzen. — Nachdem in einer kurzen Pause mehr als 40 Herren ihren Beitritt zum Verein erklärt hatten, ergriff in der Diskussion zuerst der Vorsteher der Synagogengemeinde, Herr Landsberger, das Wort, um mit dem Danke für die gehörten Reden der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß der von Herrn Dr. Schneidercharakterisierte Geist der Glogauer Gemeinde auch in den Enkeln