Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 229 (sequence 6)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 229 die Hebung ihres 'Selbstgefühls wirkt der Central-Verein auch gegen den größten Feind des Judenthums, gegen die Abtrünnigkeit, gegen die Renegaten, welche, um Ehren zu erringen, mit ihrer Ueberzeugung ihr« Ehre opfern, gegen die Gedankenlosen, welche selbst den Abfall scheuen, aber die Harmonie ihrer eigenen Familie zerstören, indem sie ihre Kinder taufen lassen. Je mehr der Corpsgeist der Juden gestärkt wird, desto mehr wird manchem Wankelmüthigen klar gemacht werden, daß der Abfall lächerlich und verächtlich machte Man hat gesagt, daß wir zu laut seien, aber in der Zeit der Jntereffenkämpfe sei doch wahrlich dem Judenthum mit der Leisetreterei nicht gedient. Wer sich grün macht, den fressen die Ziegen! Die Geschichte lehre, wie die verschiedensten politischen Parteien nur durch lautes Fordern Erfolge erzielten; schweigend dulden, hieße den Zug der Zeit vollständig verkennen. Der Central-Verein wirkte schon durch sein Bestehen; er wird noch Größeres erzielen, je mehr Anhänger sich zu ihm schaaren. „Er wirbt nicht um Beiträge und ist weit davon entfernt, dadurch anderen Institutionen den Boden abzugraben. Uns geben Sie Ihre Seele'«, Ihre Begeisterung; treten Sie uns bei und werden Sie unsere Mitkämpfer, dann werden wir unserm Ziele näher kommen, daß die jetzt nur auf dem Papier stehende Emanzipation der Juden endlich eine Wahrheit wird. Das walte Gott!" Ein fast unbeschreiblicher, sich wieder und wieder erneuernder Beifallsjubel folgte auf die Schlußworte des selbst sichtlich tiefergriffenen Redners. Der Vorsitzende erklärte, daß die Versammlung ihrem Dankgefühl für die Ausführungen des Vortragenden so lebhaft bekundet habe, daß er sich mit der Aufforderung begnüge, diesen Gefühlen durch Ausfüllung der Beitrittskarten weiteren Ausdruck zu verleihen. Mehr als hundert Beitrittserklärungen wurden sofort von dem anwesenden General-Sekretär in Empfang genommen. (Täglich find seitdem aus Frankfurt a. M. und Umgegend Beitrittskarten in dem Bureau in Berlin ein getroffen!) Nach Eröffnung der Debatte befürwortete Herr Rechtsanwalt Dr. Fuld aus Mainz die möglichste Ausbreitung des Central-Vereins in Süddeutschland, wo der „Salon-Antisemitismus" sich sehr unangenehm fühlbar mache. Dieser gesellschaftliche Antisemitismus sei weit gefährlicher als das frühere Radau-Unwefen, und die Gefahr könne sich noch steigern, je mehr diejenigen, welche auf den Hochschulen zu den Hörern Treitschke's und anderer judenfeindlichen Lehrer gehörten, zu Amt und Würden gelangen. Um so mehr müßten die Juden die belgische Devise „I/uu!on fait la force! zur Losung machen und den