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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-04-01
Page
227 (sequence 4)
Language
German
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vereinsnachrichten. 22? verfaßten beschimpfenden Flugblätter, durch die beständige antisemitische Terrorisierung der Verwaltungsbehörden und die abfälligen antisemi» tischen Urtheile über die Rechtspflege, sobald «in antisemitisches Delikt zur Bestrasung gelangt, oder eine Anklage wider einen Juden zu keiner Verurtheilung führt. Nicht minder betrübend sei die Ein» Wirkung der antisemitischen Bewegung auf die Juden selbst, von denen dadurch viele übermäßig reizbar werden, verbittert das Vertrauen zum Staate verlieren, andere wiederum sich selbst oder auch nur ihre Kinder durch die Taufe der Verhetzung zu entziehen suchen. Solchen Uebelständen gegenüber bedurfte es einer großen, mächtigen Gegen» strömung, eines Zusammenfasiens aller unter den deutschen Juden vorhandenen Kräfte, um unsere heiligsten Güter mit allen durch Verfassung und Gesetz gebotenen Mitteln zu schützen. Wir thun uns zusammen, nicht um jüdische Interessen zu fördern, sondern lediglich weil wir alsGesammtheit uns besser wehren können und nur aufsolange, als wir angegriffen werden. DieNothwendigkeit planmäßiger Abwehrwurde leider zu spät erkannt. Zuerst trat der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" dadurch in's Leben, daß eine Anzahl christlicher Männerauf Grund ihrer liberalen Anschauungen an dem antisemitischen'Treiben Anstoß nahmen; später das „Komitee zur Abwehr", ein kleiner Kreis jüdischer Männer, welche die judenfeindliche Bewegung ebenfalls zu bekämpfen suchten. Der Redner zollte den Leistungen beider Vereinigungen volle Anerkennung und wies dann darauf hin, daß der noch später, erst vor ca. 6 Jahren begründete Central-Verein das Wirken der beiden Institutionen ergänze, indem er sich vom Abwehr-Verein durch den Grundsatz der „Selbstvertheidigung", vom „Komitee" durch das Wirken „im Lichte der Oeffentlichkeit" und den mächtigen Eindruck der Bewegung der Maffen unterscheide. Der Central-Verein sei kein Appendix irgend einer politischen Partei. Die Gleichberechtigung der Juden sei unzertrennlich von dem liberalen Gedanken, aber die Juden könnten nicht ihre Gleichberechtigung so lange antasten lassen, bis die Morgenröthe des Liberalismus wieder sichtbar werde; sie könnten auch bei einzelnen für das Judenthum wichtigen Spezialfragen nicht den liberalen Prinzipien vollständig Rechnung tragen. Bezüglich des obligatorischen Religionsunterrichts, der Bestrafung der Religionsbeschimpfung, der Beschlagnahme der Boykott-Flugblätter u. s. w. stünde man vor der Frage, ob nicht jetzt die Gleichberechtigung wichtiger als die Freiheit sei. Wie der Central-Verein keinen parteipolitischen Charakter habe, so sei er auch nicht parteireligiös, weder reformerisch noch orthodox, sondern ein neutraler Boden für alle

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