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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 213

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-04-01
Page
213 (sequence 10)
Language
German
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Wtli| V4f MM. Hain in der „Berliner Klinischen Wochenschrift" ein Assistenzarzt „christlicher Religion" gesucht wurde, fand sich kein einziger freisinniger Abgeordneter veranlaßt, an die Staatsregierung im weimarischen Landtage die Anfrage zu richten, welche Erwägungen maßgebend gewesen seien, als hierbei die nichtchristlichen Aerzte von der Bewerbung ausgeschlossen wurden. Die betreffende Interpellation ging von dem sozialdemokratischen Abg. Aaudert aus, und die Antwort des Staatsministers v. Groß lautete, „daß bei der Wahl eines Arztes für eine Anstalt, deren Insassen Geisteskranke und Rervcnleidende seien, die Religion des anzustellenden Arztes in Betracht kommen müsse". Dazu bemcrlte die „Deutsche Wacht": „Das heißt in offenem Deutsch ausgedrückt: es soll kein Jud als Arzt in eine solche Anstalt kommen." Auch den Beifall der „Staatsbürger-Zeitung" hat der jetzige leitende Staatsmann in Ilm-Athen durch seine von tiefem Verständnis; für die Empfindungen Geisteskranker zeugende Antwort erworben. Das; das von ihm in Be;ug auf die jüdischen Aerzte gebilligte „Boykottieren" auch seine Spitze einmal gegen andere Kreise richtet: tonnte, ist ihm natürlich nicht eingefallen. In Ar. 10 der in Düsseldorf erscheinende!: „Werlmeister-Zeitung", Organ des Deutschen Werkmeister-Verbandes, befand sich ein Inserat, wonach für eine Fabrik in den Rheiulanden ein Werkmeister mit der ausfallenden Bemerkung gesucht wird: „Sachsen werden nicht berücksichtigt." Das Dresdener Äntisemitenblatt bemerkte hierzu: „Rwmand wird dem betreffenden Fabrikbesitzer Borschrislen in der Auswahl seiner Werkmeister machen wollen. Ja dieser Fvrn: liegt jedoch eine Beleidigung des sächsischen W e r k m e i st erst a n d e s , dessen Tüchtigkeit weltbekannt i st." In dem von dem weimarischen Minister veitheidigten Inserat des Blankenhaiuer Hospitals war aber dann auch eine Beleidigung aller jüdischen Aerzte enthalten, deren Tüchtigkeit m i u d e st e n ö ebenso weltbekannt: st wie die der sächsischen Werkmeister! Manche Staatsmänner gleichen denen, welche den Brunnen niclt eher zudeckn: lassen, als bis ein Kind darin ertrunken ist. Je mehr'man sich den österreichischen Grenzpfählen nähert, desto mehr triff: man auch solche kluge Leute, welche die böswilligsten Volksauswiegler, denen es ja ihrer Meinung nach nur auf den „(Geisterkamps" ankomnlt, gewähren lassen und sich dahin beruhigen, daß die aufgehetzten ungebildeten Männer der That und deren unschuldige Familien für wilde Ausschreitungen hart büßen müssen. Als an: 5». April die durch Lohndchferenzen verbitterten czechischen Arbeiter

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