Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 209 (sequence 6)
- Language
- German
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Umschau. 209 Konservativen. Jedenfalls ist es erfreulich, daß die konservative Partei die Unmöglichkeit einer Bundesgenossenschaft mit der deutschsozialen Reformpartei und den übrigen „offiziellen" Antisemiten anerkennt, die deshalb unbeirrt ihre Schwäche durch doppelt kühnes Auftreten zu bemänteln suchen und auch damit die höchsten Kreise terrorisieren zu können glauben und dabei zuweilen die loyale Maske recht unvorsichtig lüsten. Am 7. April schrieb die „StaaLsbürger-Ztg.": „Wir halten es für ausgeschlossen, daß unser Kaiser dem Fürsten von Monaco einen Besuch abstattet. Es würde das noch weniger v e r st a n d e n w e r d e n , als der neulich? Besuch jenes Fürsten am Berliner Hofe. Wir halten das Ganze für eineecht jüdische Reklame zu Gunsten jenes Naubnestes. Die Fürstin von Monaco ist ja übrigens eine Jüdin." Das Blatt, welches früher sich als Wächter für Thron und Altar aufspielte, jetzt aber dem Monarchen über Reisen, Ordensverleihungen u. s. w. Vorschriften macht, versucht auch bei der Wahl" der Nathgeber der Krone mitzusprechen. Am 80. Geburtstage des Reichskanzlers konnte es folgende Gesinnungsäußerung nicht unterdrücken: „Leider ist seine Thäkigkeit auf dem Gebiete der inneren Politik weit, weit hinter dem Gewollten zurückgeblieben. Zum Theil liegt dies daran, daß Fürst Hohenlohe das 2(iut in einen: Alter übernahm, in dem für gewöhnlich die Kräfte nicht mel)r vorhanden sind, die der Kampf gegen die R e i ch s - n a g ethiere erfordert, zürn Theil daran, daß der Fürst nicht sogleich mit dem Caprivismus aufräumte, daß er erst Jahr später sich von den Trägern des caprivistischen Regimes befreite. Eine große Zahl von Aufgaben der inneren Politik harrt ihrer Lösung, und e s e r s ch e i n t uns leide r unmöglich, sie mit dem jetzigen Kanzler zu erfülle n." Auch die auswärtige Politik bot wiederholt der antisemitischen Presse Anlaß zu den heftigsten Angriffen auf die leitenden Staatsmänner, und die Zimmermann'sche „Deutsche Wacht" preßte die frommen Wünsche der Antisemiten in den kurzen Satz zusammen: „Wir fordern dringend das beste Sanierungsmittel: „Rückkehr zum alten Kurs!" Eine vom GrafenKlinckowst^öm im preußischen Herrenhause gehaltene Rede veranlaßte die „Staatsbürger-Ztg.", den Konservativen „unglaubliche Wahlumtriebe vorzuwerfen, die sich „nur aus Parteifanaticmus gegen die 'Antisemiten richteten". Als kürzlich der konservative Kandidat für den zweiten Berliner Wahlkreis Geheimer Regierungsrath von Witowski in einer Wählerversammlung die Erklärung abgab, auf dem Boden des Tivoli-Programms zu stehen und nur ein gesetzliches Vorgehen gegen die Juden als unnöthig bezeichnete, zeterte das