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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 207

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-04-01
Page
207 (sequence 4)
Language
German
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nm]qcw. 207 geben wollte. Der Artikel des „Constilut." vom 5. Juli schien ihm noch nicht gefährlich. Aber was er in den folgenden Tagen in Gesprächen mit eingeweihten Persönlichkeiten erfuhr, ließ ihm keinen Zweifel, daß die Franzosen es zum Kriege trieben, während ihm Deutschland noch zu sehr von Friedenshoffnungen beherrscht schien. Deshalb gab er seiner anderen Auffassung Ausdruck in einem Briefe, den er am 10. Juli an einen Freund in der Pfalz richtete — an telegraphische Übermittelung war natürlich nicht zu denken — um ihn so rasch wie möglich in die Hände des Staatsministers Delbrück gelangen zu lassen." Die „Voss. Ztg." bemerkte dazu: „Der Brief war an einen Amtsrichter in dem oldenburgischen Städtchen Oberstein a. d« Nahe adressiert. Die Hülle des Schreibens war schwarz umrändert. Der Amtsrichter verwunderte sich nicht wenig, aus Paris eine TodesbotschafL zu erhalten. Um so größer war seine Ueberraschung, als er laS, daß Frankreich zum Kriege entschlossen sei. Vamberger hatte hinzugefügt, daß er für seine Mittheilung einen' Trauerumschlag wähle, weil er glaube, daß der Brief dann von der französischen Post rmbeanstandet befördert werden werde. Eine Stunde nach dem Eintreffen des Schreibens in Oberstem war Minister Delbrück bereits durch den Draht von allem unterrichtet worden." Aber der deutsche Patriot verleugnete nie den Volksmann; deshalb schrieb er schon aus dem Hauptquartier, in das ihn Bismarck berufen, an einen Freund: „Sorgen Sie in den weitest reichenden Kreisen bei Zeiten für Druck nach unten, daß die Siege auf dem Felde dem deutschen Volke zu gute kommen. Es wird sehr nöthig sein. Mir kommt's halb vor, als drohe uns eine Enttäuschung wie nach 1815. Ich spreche begreiflich nicht aus einem hohlen Fasse. Das darf nimmermehr geschehen! Also thue jeder das Seine!" Zn dieser Enttäuschung haben die deutschen „Chauvinisten" weit mehr beigetragen als Fürst Bismarck, der diese Strömung nur für seine tiefangelegten Pläne zu benutzen wußte. Aus diesem völlig undeutschen Chauvinismus ist der Antisemitismus, der das Deutschthum in Beschlag zu nehmen und für seine unlauteren Zwecke anSzubeuten suchte, entstanden. Vamberger wies in seiner 1880 erschienenen Schrift „Deutschthum und Fudenthum" nach, daß dies keine Gegensätze seien und die kernige Art, in der er damals dem antisemitischen Geschichtsschreiber Heinrich von Treitschke den Fehdehandschuh hinwarf, bewies hinreichend, daß er nicht gesonnen war, sich sein Deutschthum von dem tendenziösen Mitarbeiter der „Preußischen Jahrbücher" streitig machen zu lassen. Nebeneinander sind nun Ludwig Vamberger und Lasker zur Ruhe gebettet, und auch ihr Gegner Treitschke weilt nicht mehr unter

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