Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 4 (April 1899)
- Article
- Die Blutanklage und die Blutankläger
- Date
- 1899-04-01
- Page
- 191 (sequence 7)
- Language
- German
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Die Blutanklage und die Blntankläger. 1S1 aß, von seinem Blute trank und Andere mit dem Fleische des Kindes speiste?') Vor Allem darf aber bei einer geschichtlichen Kritik des Ursprungs der Blutanklage gegen Juden nicht vergessen werden, daß die Beweggründe zu derartigen Anklagen einzig und allein aus christlicher oder besierchristologischerAnschauung verständlich werden?-) DieBersöhnung durch das Blut Christi ist natürlich eine dem Judenthum fremde Anschauung geblieben. Die Idee des sühnenden BlutgenufseS durch die Hostie, welche beim Abendmahl Leib und Blut Christi vertreten soll, ist durchaus unjüdisch. Besonders aber hat die Beziehung des Osterfestes als des angeblichen Bluttermins für die Juden nur im Zusammenhang mit der Idee des Opfertodes und der Wiederauferstehung Christi an diesem Feste einen Sinn. III. Um diese Ergebnisse einer ernsten sachlichen und fachlichen Kritik kümmern sich selbstredend die antisemitischen Flugschriften über den Ritualmord der Juden nicht. Es lohnt sich auch kaum, dieselben durchzumustern, da sie doch immer nur die alten albemen Märchen natürlich mit der nöthigen geheimnißvollen Wichtigthuerei auf Grund gefälschter Talmudzitate wiederholen. Eine mir vorliegende Schrift, die allerdings schon vor einigen Jahren (1893?) gedruckt zu sein scheint, mir aber erst im vergangenen Jahre zu Gesicht gekommen ist, verdient es trotzdem, als besonders charakteristisch für die antisemitische Mache einmal näher betrachtet zu werden. Es ist die in Leipzig bei Herm. Beyer ohne Jahresangabe erschienene Broschüre: „Die jüdische Moral und das Blutmysterium. Von Athanasius Fern". (47 Seiten). Athanasius Fern ist Katholik und als solcher ein geschworener Feind des Freimaurerthums (S. 8, 11, 14). Er ist ein genauer Kenner des jüdischen Schriftthums, schöpft er doch nach seiner eigenen Angabe (S. 6) seine Kenntnisse aus dem anerkannten Quellenwerke: „Antisemiten-Katechismus" von Theodor Fritsch S. 181 ff., Leipzig 1892. Er kennt aber noch ein zweites '') Boiland. ad vitam 8. Georgii, 23. April. 2-> Sogar die antisemitischen „Deutsch-Sozialen Blätter" XI Nr. 42.", (Leipzig. 8. Oktober 1896) S. 328 müssen zugeben, das; es „bisher nicht nachweisbar gewesen ist", das; der Blutaberglaube „mir dem Ritual der Hilden irgendwelchen 'bnarnmenhang har".