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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 192

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
Die Blutanklage und die Blutankläger
Date
1899-04-01
Page
192 (sequence 8)
Language
German
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192 3m deutschen Reich. Standard-work der jüdischen Literatur, I. B. PranaitiS' Buch Christianus in Talmude judaeorum. Es ist also kein Wunder, daß er die jüdische Literatur um eine Reihe bisher unbekannter Autoren bereichert. Ich nenne nur Schelomo Tarchi (Ruschi) und Rabbi Josephuö Abo, von dem die folgende Perle (S. 7) zitiert wird: „Wenn das Leben des Götzendieners dem Hebräer zur Verfügung gestellt ist, wie viel mehr sind es dann seine Güter." Der Traktat Neghillah (S. 21) dürfte eine Bereicherung der talmudischen Literatur bedeuten. Daß der Zohar ein Theil des Talmuds (S. 13) ist, war bisher auch noch nicht allgemein bekannt. Bei einer derartigen gründlichen Kenntniß der jüdischen Literatur ist es nur erklärlich, wenn Fern mit berechtigtem Selbstgefühl erklärt, daß er „sehr bereit" ist, den Herausgeber einer Schrift über den Ritualmord „betr. Erlangung der Quellenwerke" zu unterstützen (S. 23). Gelehrte Jtalienreisende wird es wahrscheinlich besonders interessieren, von einer vom Verfasser neu entdeckten Bibliothek in Venedig, der Rabbinbibliothek, etwas zu erfahren. Sie ist nicht sehr umfangreich, da sie nach des Verfaflers Angabe (S. 17) nur vier Bände enthält, die angeblich von D. Bömberg gedruckt sind. Außerdem giebt es noch größere Bibliotheken in Krakau, Venedig („1520" daselbst S. 17 ist wohl das Gründungsjahr) und in Amsterdam („1600" ist wohl ebenfalls Gründungsjahr). Historisch werthvoll sind nach Fern's Urtheil (S. 15) die Bekenntnisse, welche Pfefferkorn bei seinem 1514 erfolgten Tode ablegte, Bekenntnisse, welche der ehrliche, streng geschichtlich vorgehende Fern in Pfefferkorns 1507 gedrucktem Speculum adhortationis und in dessen 1509 gedrucktem Hostis iudaeorum gelesen hat! Daß er Gerson Bleichröder im Genüsse von 700 Millionen noch heute in Berlin leben läßt (S. 8), ist ein Zeichen seiner wahrhaften Toleranz. Besonders interessieren wird es aber, daß die Juden nach seiner Meinung bis 1848 im Ghetto wohnen mußten (S. 9), eine für spätere Geschichtsschreiber nicht werthlose Mittheilung! Es geht eben in dieser Schrift kein Gebiet ohne Bereicherung aus. Sogar die französische Sprache erhält in dem Worte Echauffation (S. 9), die deutsche in dem mir leider unverstanden gebliebenen „Perin" (S. 7) einen gewiß dankenswerthen Beitrag. Die hebräische Sprache, für die Fern ein kleines Faible besitzt, erweitert er'wiederholt, z. B. durch das

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