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Im deutschen Reich · 1899-04-01 · Heft 4 (April 1899) · p. 188

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 4 (April 1899)
Article
Die Blutanklage und die Blutankläger
Date
1899-04-01
Page
188 (sequence 4)
Language
German
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188 Im deutschen' Reich. Mittelalter hat man Blut sogar als Medizin gegen die Menstruation der Männer empfohlen^)! Und für die Verwendung von Menschenblut als Heilmittel in unsern Tagen bringen u. A. Mannhardt7 8 * 10 * * 13) und Löwenstimm") interessante Belege. Dieser Blutaberglaube ist für Christen und Juden in gleicher Weise verhängnißvoll geworden. Man braucht nur die zahlreichen Anklagen der Heidenwelt gegen die ersten Christengemeinden durchzumustern. Beinahe in allen diesen Anklagen spielt die Verwendung von Menschenblut zu gottesdienstlichen Zwecken eine große Rolle"). Ja, es wurde sogar unter den Christen selbst Mode, christliche Sekten des Kindermordes aus religiösen Motiven zu bezichtigen. So werfen Philastrius") und Epiphanius") den Montanisten vor, daß sie am Paffahseste ein einjähriges Kind durch Nadelstiche zu verwunden, das aufgefangene Blut mit Mehl zu vermischen und von den aus diesem Mehl hergestellten Osterbroten ihren entfernten Genossen zu schicken pflegen, damit diese auch an der Versöhnung Theil hätten. Aehnliches hält Justinus Martyr den Anhängern des Simon, Menander und Marcion oor18). Fast in derselben Form wird diese Anklage von christlicher Seite bis in unsere Tage hinein gegen die Herbertisten, die Beghinen und Begharden, die Waldenser, die französischen Protestanten, die russischen Naskolniken, gegen Jesuiten und Freimaurer erhoben"). Während der Volksglaube des gesammten Mittelalters die Verwendung von Menschenblut christlichen Geistlichen zum Vorwurf 7) Strack, Blutaverglanbe bei llhristen u. Juden, München 1891, S. 110. b) Tie praktischen folgen des Aberglaubens (Deutsche ^eitimb Streitfragen VII 1878), S. 59 f. 0) L. 61, 109, 144. 10) Tertulliani apologeticum adversus gentes (Migne I) Vif, IX: Octavius bei Marcus Mimicius Felix (Migne III) IX, XXX; Justini Martyris Apologia pro Christianis II 12; Athenagorae pliilosophi legatio pro christianis cap. 3, Theodoreti religiosa historia (Migne 82 p. 1366) VII; Eusebii Caesariensis hist. eccl. 1. V. cap. I. n) Liber de haeresibus (Migne XII), cap. 49, p. 1165. *-) Ad versus haereses II 1, No. 48, cap. 14. 13) Apologia, I, 26. u) Antisemitenspiegel, 1692, S. 316 f.

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