Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 177 (sequence 14)
- Language
- German
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vereinsnachrichlen. 177 rntterrichtet . werden dürfe n." Wenn der 'Minister ohne Empfindung dafür, daß jeder Mensch und jeder Lehrer nach seiner individuellen sittlichen Persönlichkeit beurtheilt werden müsse, den jüdischen Lehrkräften ganz im allgemeinen die Kraft, alle Kinder ohne Unterschied deS Glaubens sittlich zu erziehen, abspreche und die Abneigung christlicher Eiteln gegen jüdische Lehrer für berechtigt halte, so fehle ihm für die Kulturentwickelung des Jahrhunderts, für den großen Gedanken, auf welchen: die Gleichberechtigung aller Staatsbürger ohne Unterschied des Glaubens, ihre Befähigung zu allen Staatsämtern, sowie die Anerkennung der jüdischen Religionsgemein schast beruhe, vor allem aber für die Ethik des Judenthums das Verständnis; und er unterscheide sich in nichts von den reinen Antisemiten. Bei uns Juden versteht sich das Ethische von selbst!—Aus oen langanhaltenden Beifall, der dieser Erklärung folgte, hinweisend, ermahnte der V ö r s i tz.e n d e im Schlußwort zum entschiedenen Widerstand gegen jedes Unrecht und warnte davor, aus opportunistischen Gründen das zu dulden, was gegen Recht und Billigkeit sei. Wenn dieser Geist Alle beseele, dann habe man allen Grund, mit dem Erfolge dieser Versammlung zufrieden zu sein! Die an: 7. März d. I. im Saale zum „Türkischen Zelt" in Eharlottenburg, Berlinerstr. 5.-Z, abgehaltene Central- Vereins-Versammlung wurde von Herrn Pr. ftir. et phi). Earl Koehne mit kurzen Begrüßungsworten eröffnet, worauf Herr Rechtsanwalt Pr. juv. M. H orwitz in einem einundeinviertelstundigen Vortrage das Thema „Treu sich selbst und treu dem Vaterlande!" behandelte. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß man unserer Zeit Sittenverrohung und Mangel an Idealismus vorwerfe, daß im öffentlichen Leben die Parteien einander leicht den Mangel an Vaterlandsliebe zur Last legen und mit Recht glauben, damit den härtesten Tadel ausgesprochen zu haben. Von jeher sei die Liebe zum Vaterlande gefeiert, Vaterlandüverrath als das schimpflichste Verbrechen gebrandmarkt worden; dies sei die Meinung zu allen Zeiten und aller Orten gewesen und noch in der neuesten Zeit könne man in Frankreich sehen, wie man die unerhörtesten Verbrechen dem Volke annehmbarer mache, indem die Miffethäter sich in den Mantel der Vaterlandsliebe hüllten. Jndeflen könne ein wahrer Vaterlandsfreund nur sein, wer ein Freund der Bürger des Vaterlandes sei. Der Menschenfeind, der Anarchist, der Verbrecher kenne und liebe kein Vaterland. Rur wer sich bewußt sei, daß die Ehre des Staates jedem Staatsbürger anvertraut sei, daß seine Ehre die des Vaterlandes fei, daß er durch sein unwürdiges