Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 154 (sequence 10)
- Language
- German
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154 Im deutschen Reich. dem Polizeipräfekten zugegangen seien und besagen, daß sich eine Gruppe von Leuten unter dem Namen „Antisemitenliga" zusammengeschlofsen habe, deren Programm gegen Artikel 291 deS Strafgesetzbuches verstoße. Schon vorher waren am 20. Februar der antisemitische frühere Bürgermeister von Algier, Max Mgis, und der verantwortliche Redakteur des „Antijuif", Philipp!, von dem Schwurgericht des Jsöre-Departements wegen Preßvergehens und wegen Verherrlichung desMordes und der Plünderung in Reden, welche sie in Versammlungen in Paris und Algier gehalten haben, als schuldig befunden worden. Der Gerichtshof verurtheilte beide Angeklagten in contumaciam, und zwar Max Rögis zu 3 Jahren Gefängniß und 1000 Francs Geldstrafe und Philipp! zu 8 Monaten Gefängniß und 100 Francs Geldstrafe. Es steht zu hoffen, daß dieses strenge Urtheil einen Eindruck auf die algerischen Bewunderer dieser beiden Aufwiegler machen werde. Wie sehr inFrankreich das gewissenlose Treiben solcher Leute die Gemüther verderbt hat, bewies ein niederträchtiger Streich, dessen Opfer beinahe der jüdische Zuave Silit) geworden wäre. Zwei judenfeindliche Kameraden desselben versteckten während seiner Abwesenheit ein Fünffrankenstück in seinem Strohsack, beklagten sich dann beim Feldwebel, es sei ihnen ein solches Stück gestohlen worden, außerdem eine Banknote von 20 Franken, und verdächtigten dabei den armen Lilty. Natürlich fand sich das Fünffrankenstück. Lilty wurde vor ein Kriegsgericht gestellt und wäre wahrscheinlich streng bestraft worden, wenn nicht ein dritter Kamerad einen der beiden Ankläger hätte sagen hören: „Es ist mir gelungen, den Juden vor ein Kriegsgericht zu bringen." Das Kriegsgericht war empört über diese Enthüllung und stellte Ankläger, Verklagten und Schutzzeugen einander gegenüber, worauf dann jene ihre Unthat eingestanden. Lilty wurde sofort sreigesprochen. Es fehlt nicht an Anzeichen, daß die allgemeine Stimmung auch in Algerien sich neuerdings von den Judenhetzern abwendet. Tiefen Eindruck machte dort u. A. die Aufopferung eines jüdischen Hospitalarztes. In dem Lazareth El Kettar wüthete mehrere Wochen der Typhus. Ein Assistenzarzt namens Iais, ein aus Algier gebürtiger Jude, wirkte seit dem April vorigen Jahres in diesem Lazarethe und war wegen seiner Selbstaufopferung der Gegenstand allgemeiner Bewunderung. Da wurde auch er von der furchtbaren Krankheit ergriffen. Der Generalgouverneur, von seinem Adjutanten und dem Chef seines Civilkabinets begleitet, begab sich in das Lazareth, beglückwünschte den Assistenzarzt und überreichte ihm im Aufträge des Ministers des Innern eine goldene Medaille. Der