Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 153 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 158 Hetze gegen die Juden hervorgethan Hot, er ist nur in der Art und Weise viel weiter gegangen als seine vorsichtigeren Gesinnungsgenossen. Man wird erwarten dürfen, nachdem ein so eklatanter Fall durch die Beschlagnahme der Red« und di« AmtSentsetzung deS AmtSvorsteherS Grafen Pückler zur' amtlichen Behandlung gekommen ist, daß die Staatsregierung nunmehr energische Maßregeln zur Verhütung solcher Agitationen ergreifen werde, die auf der einen Seite gegen die Verfassung verstoßen und auf der anderen unsere Kultur auf einem sehr fragwürdigen Niveau erscheinen lassen." Wie die Vorgänge in Frankreich wesentlich dazu beitrugen, daß weite Kreise deö deutschen Volkes die großen Vorzüge einer von dem wüsten politischen Parteitreiben unberührten streng sittlich geordneten Rechtspflege erst recht schätzen lernten, so haben diese Vorgänge auch sicher den leitenden Kreisen Frankreichs ein richtiges Urtheil verschafft über die Gefährlichkeit der mit täuschenden loyalen Phrasen verdeckten Aufreizung der schlimmsten Instinkte der Massen. Die Theatercoups eines Tvroulvde in Frankreich und dis Attacken der uniformierten Leute des gräflichen AmtsvorsteherS von Kl.-Tschirne hätten vielleicht nur komisch gewirkt, wenn sie nicht schlimmeren StaatSfeinden als geeignete Mittel erschienen wären, eine Umwälzung vorzubereiten. Der anarchistische Hintergrund des Antisemitismus ist aber hüben wie drüben noch rechtzeitig grell beleuchtet worden. Der plötzlich aus dem Leben geschiedene Präsident der französischen Republik, Felix Faure, war über diese Gefahr nicht im Klaren, oder es fehlte ihm die Energie, die Anarchie zu bekämpfen, die unter ihm in Frankreich mehr und mehr überhand nahm. Daß an seine Stelle ein Mann wie Emile Loubet trat, dem die gesellschafts- und staatsfeindlichen Schreier keine Furcht einflößen, ist eine Thatsache, welche alle anarchistischen Pläne vereitelt und den Fortbestand der Republik in Frankreich verbürgt. Die feindseligen Kundgebungen bei seiner Wahl hat er als eine Herausforderung bezeichnet, die er annehme und die seine Widerstandskraft nur gestählt habe. Der Narrenstreich Dsroulödes, der darauf abzielte, die Soldaten der Republik zum Treubruch zu verleiten, hat nur die Einigung der französischen Republikaner bewirkt und damit wider Willen das neue Regiment befestigt. Die Haussuchungen bei dem Direktor des „Antijuif" und dem Präsidenten der „Jeunesse antisömite", welche nach der Verhaftung Däroulödes erfolgten, wurden auf Grund eines von dem Polizeipräfekten erlassenen Befehls ausgeführt. Derselbe enthielt die Angabe, daß das Mandat in Auskünften seinen Grund habe, welche n