Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1899-03-01 · Heft 3 (März 1899) · p. 148

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 3 (März 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-03-01
Page
148 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316650-2316654--05099-2323880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

148 3m deutschen Reich. ist. Wenn erst von dem Bismarck-Wort „Wir Deutschen fürchten Gott und sonst niemanden in der Welt" die erste Hälfte fallen gelassen ist, wird, auch die zweite folgen." Es muß weit gekommen sein, wenn sich so streng konservative Männer wie Martin von Nathusius gedrungen fühlen, die akademische Jugend vor einer „Aufklärung" zu warnen, die „von AnLife m i t i s nr u s beseelt" ist! Aber mit dieser Warnung vor einer falschen Aufklärung wird der „sittliche Standard der deutschen Nation" nicht gesichert; dazu wäre nöthig, daß sich die einflußreichen Kreise für die wahre Aufklärung erwärmen könnten. Als der Ministerialdirektor im Kultusministerium Kügler im preußischen Abgeordnetenhause Veranlassung nahm, die agrarischen Zumuthungen an die Volksschullehrer zurückzuweisen und rund heraus erklärte, „daß die erste Pflicht des Lehrers Wahrhaftigkeit sei und daß die Schule die Kinder nicht mit Scheuklappen erziehen könne", wurde er wiederholt durch Aeußerungen heftigen Unmuths der Konservativen unterbrochen. Noch grimmiger haben sich nachträglich die antisemitischen Blätter über die warmherzige Vertheidigung der preußischen Volksschule gegen den Vorwurf der ungenügenden Pflege der religiössittlichen Bildung geäußert. Wenn die „Staatsbürger-Ztg." es sogar wagte, dem Kultusminister zuzumuthen, seinen Kommissar „mit einer Bestimmtheit in seine Schranken zu weisen, daß ihm die Lust für die Leporello-Nolle für immer vergehe", erklärt sich dies nur aus der U n - k l a r h e i t, welche im Allgemeinen über die staatsrechtliche Stellung der preußischen Volksschule herrscht und von antisemitischer Seite aus Angst vor einer staatsrechtswissenschaftlich'en Feststellung des paritätischen Charakters der Schule geflissentlich vermehrt wird. Die politischen Dinge haben sich in den letzten Monaten so zugespitzt, daß zwischen den Konservativen und den deutsch-sozialen Reformern nur noch das Vorurtheil gegen die Juden einen Kitt darstellt, der sich zwar als hinreichend erweist, die ungleichen Elemente nothdürftig zusammenzuhalten, aber Ausbrüche der gehässigsten Konkurrenz keineswegs verhindert. Bei seiner Agitationsrundreise im Wahlkreise Ruppin-Templin behandelte der Vorsitzende des brandenburgischen Provinzialverbandes der deutsch - sozialen Reformpartei, B ö ck l e r , die sogenannte „Judenfrage" als etwas ganz Nebensächliches und wandte sich besonders gegen die Konservativen, denen er vorwarf, bei der Wahl den Sieg mit recht bedenklichen Mitteln erfochten zu haben und die „illoyale Konkurrenz zu fördern, die nach seiner Ansicht die Offizier- und Beamtenvereine den Gewerbetreibenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.