Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 3 (März 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-03-01
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 147 von schlecht versteckten Drohungen begleitet sind, wurde natürlich einstimmig angenommen. Geradezu widerlich wirkte der stellenweise gar zu aufdringlich hervorgetretene Bismarck-Kultus und der Byzantinismus, die Versicherung deS hohen „nationalen" Gefühls, während gleichzeitig als Bedingung dieses Nationalgesühls die Befriedigung der bündlerischen Forderungen hingestellt wurde." - Es ist ein nicht zu unterschätzendes Zeichen der Zeit, daß nicht nur in den Kreisen der Centrumspartei, sondern auch unter den strenggläubigsten protestantischen Konservativen neuerdings Stimmen laut werden, welche stürmischen Versicherungen „hohen nationalen (Gefühls" ebenso wie dem „aufdringlich hervortretenden Bismarck-Kultus" gegenüber ernste Bedenken äußern. In der „Konservativen Monatsschrift" äußerte sich kürzlich der bekannte Professor Dr. Martin von N a t h u s i u s wie folgt: „Der Hauptvertreter dieser Richtung ist F r i e d r i ch L a n g e, ein Apostel der Wodansreligion, die der Nerjudung Deutschlands durch das E h r i st e n t h u m e n t g e g e n a r b e i 1 e n will.. Wir würden auf die Deklamationen dieses Mannes nicht kommen, wenn nicht leider in den letzten Monaten eine Art der Bismarck - Vergötterung sich kundgegeben hätte, die einen ernsten Protest aller christlichen Deutschen Hervorrust. In dem verstorbenen großen Sohne Deutschlands scheint manchem dieser Wodansverehrer der persönliche Gott erschienen zu sein, dem sie ihre Dienste weihen. Er ist ihnen, wie auf einem Berliner Studentenkommerse gesagt ist, „die mächtigste Offenbarung Gottes in unserer Zeit". In Süddeutschland sind noch tollere Ausdrücke gefallen, die das „In ihm leben, weben und sind nur" auf Bismarck angewandt haben. Das Nationale hat in dem Aufbau deS Reiches Gottes auf Erden eine bedeutsame Aufgabe, eine ergänzende und fördernde, aber nicht eine absorbierende. Es war der Fehler der alten Aufklärung, daß sie das erstere verkannte, — wahren wir uns vor einer neuen Aufklärung, die, beseelt von Antisemitismus, in den entgegengesetzten Fehler verfällt. Es ist besonders nölhig, unsere Jugend davor zu bewahren. Die Ehrung Bismarck's, welche von der deutschen Studentenschaft im vorigen Herbste beschlossen ist, riecht stark nach Heroenkult - Religion. Diese rauchenden Pechnäpfe scheinen uns ziemlich sinnlos zu sein, und wir hoffen, daß viele sich dieser Form ihres Jugendrausches noch einmal sanft zu schämen lernen und dann Männer werden, die dem Vaterlande wirklich im Geiste Bismarck's dienen, der es wtzhl wußte, daß es nicht auf Rauch und Schaum und viel Dampf ankommt, sondern auf einen tapferen Muth, der auf der Demuth vor Gott gegründet