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Im deutschen Reich · 1899-03-01 · Heft 3 (März 1899) · p. 143

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 3 (März 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-03-01
Page
143 (sequence 11)
Language
German
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Lin verkanntes Proletariat. 143 1000 Gulden die Woche verdienten.") „Nicht zu verwundern ist es daher, daß große Verschwendung getrieben wurde von diesen Leuten, welche nicht gewohnt waren, mit Geld umzugehen. Nicht selten sah man sie in den feinsten Restaurants sitzen, in welchen sie mit ihren in Seide und Sammet gekleideten und mit Brillanten geschmückten Frauen Champagner tranken. Fast unglaubliche Beispiele von abscheulicher Verschwendung ereigneten sich in diesen Jahren; z. B. das Weggeben von Goldmünzen als Trinkgeld, das Anbrennen von Havannas mit zusammengerollten Banknoten k. Die theuersten Früchte, die besten Fische, das allerfeinste Fleisch erschien auf den Tischen dieser Leute, und so verbreitet war der Ruf ihrer Preistreiberei, daß die Patrizier an der Heerengracht und Kaizersgracht genöthigt waren, außerordentlich hohe Preise anzulegen für Fisch und Fleisch, wenn sie es nicht ansehen wollten, daß die beste Waare nach dem Judenviertel gebracht wurde."'-) Diese Verhältnisse, die Denekamp als das Lebensbild der Arbeiter in der guten Zeit nach dem französisch-deutschen Krieg schildert, haben sich seitdem freilich vielfach geändert, allein auch heute noch geben die Arbeiter viel Geld einzig und allein für ihr Vergnügen aus; oft geht ihr ganzer Verdienst dabei drauf, und wenn sie arbeitslos sia), genießen sie so viel Kredit bei allen ihren Lieferanten, daß sie ihre Lebensweise so lange fortsetzen tonnen, bis sie wieder Arbeit finden. Alsdann beginnt das Bummelleben von neuem. Bis vor wenigen Jahren war das religiöse Gefühl beim jüdischen Arbeiter noch ziemlich stark entwickelt; in letzter Zeit aber ist es schwächer geworden. Der jüdische Arbeiter hat sich seinem christlichen Genossen vollständig assimiliert. Beide denken nicht an's Sparen, nur in der Art und Weise, wie sie ihr Geld verausgaben, unterscheiden sie sich von einander. Die jungen jüdischen Arbeiterinnen verheirathen sich meist schon mit 17 und 18 Jahren, doch scheint in letzter Zeit das HeirathSalter im Aussteigen begriffen zu sein. Nach dem, was ich in Unternehmerkreisen erfahren habe, geben diese dem jüdischen Arbeiter trotz seines mürrischen und anspruchsnl H. Polak. ..Die Dimnonteil-Iiiduilrie i» yimftn'fmm." „Tie '.'iVue Zeit" Nr. 25, 1893/91, S. 782.

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