Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 102 (sequence 3)
- Language
- German
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TÜ2 3m deutschen Reich. gewiegt, ohne di« „Verachtung" zu merken, die „man" ihnen trotzdem als „Juden" entgegenbringthätten diese Herren für den Zionismus, wie für alle anderen Bestrebungen zur „Befreiung der Juden" nur Geringschätzung. Sie seien es mit ihren „Assimilisationsgelüsten", welche doch letzten Endes an der Naffenverfchiedenheit scheitern müssen, die das jüdische Proletcriat größtentheils in das Lager des Sozialismus getrieben hätten. Aber auch die Sozialdemokratie werde die Judensrage nicht lösen; gelange sie einmal zum Siege, dann werde sie ihrer jüdischen Vorkämpfer vergessen und wie die anderen Parteien dem Antisemitismus verfallen. Anzeichen zu einer solchen Wendung seien schon jetzt vorhanden. Nur der „Zionismus" mit seinem Endziele, den Juden eine rechtlich gesicherte Heimstätte auf dem Boden Palästinas zu schaffen, biete einen Ausweg aus den „Wirrsalen der Judenfrage", die Juden sollten sich auf sich selbst, ihre eigens Kraft und ihre historische Vergangenheit besinnen und in Massen Zionisten werden. Der Zionismus suche seine Hauptstütze bei dem jüdischen Proletariat, er werde ohne Schwierigkeit die Gegnerschaft der „Protestrabbiner" überwinden, die längst aufgehört hätten, Lehrer des Judenthums zu sein. (Stürmischer Widerspruch und Pfuirufe.) Jeder Einfluß auf das jüdische Volk müsse diesen Rabbinern genommen werden, die gleichgiltig das Judrnthum zu Grunde gehen sähen. (Beifall und Zischen. Unruhe.) In der Diskussion trat zunächst der Redakteur eines jüdischen Fachblattes, Klausner, vom„jüdischreligiösen" und vom „realpolitischen" Standpunkte als Gegner des Zionismus auf und verwahrte sowohl die jüdischen Kapitalisten als die Rabbiner gegen die Angriffe des Referenten. Der Grundgedanke der zionistischen Bewegung, soweit sie durch die Nothlage der Juden des Ostens veranlaßt sei, möge wohl einiges Anerkenneuswerthe für sich haben, an eine Durchführung der zionistischen Zukunstspläne sei nicht zu denken. Im Gegensätze dazu sprach der evangelische, in der Judrnbekehrung thätige Pastor Faber seine „volle Sympathie" für den Zionismus und deffen Führer aus und glaubte, deren ernstem auf eine praktische Lösung der Judenfrage gerichtetem Streben Erfolg prophezeien zu können. 8tuä. meck. Ewer erklärt« sich als „deutschnationaler Jude" gegen die Zionistenbewegung. Dr. Klee, Mozkin u. A. vertraten den Standpunkt Nordau's. Von den meisten Rednern wurden die Vertreter der gegnerischen Anschauung in heftigster Weise, vielfach auch persönlich, angegriffen, so daß es durch fortgesetzte Zwischenrufe vielfach zu lärmenden Austritten kam und die Versammlung schließlich, um der polizeilichen Auflösung vorzubeugen, geschlossen werden