Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Berlin
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 103 (sequence 4)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 103 mußte." — Unsere Stellung zu dem Zionismus dürste hinreichend bekannt sein. Soweit er nur „eine gesicherte Heimstätte sür heimathloS gewordene russische und galizischs Glaubensgenossen" erstrebt, haben wir gegen ihn nichts einzuwenden; diese Bestrebungen haben mit unserer, die Angelegenheiten der deutschen Juden betreffenden Thätigkeit nichts zu thun. Die ursprünglichen, weitergehenden und auf Errichtung eines „Judenstaates" abzielenden Pläne der Zionisten dürsten zum Heile für das Judenthum als allerseits (und, mindestens in Deutschland, von den Zionisten selbst) abgethan zu betrachten sein! DaS hiesige Blatt „Die Welt am Montag" berichtete über die von Max B e w e r verfaßten und von dem „Bilderbogen» G l ö ß " verlegten „Xenien": „Die Spezialität des Verfassers ist es, mit der Miene eines Philosophen 'den haarsträubendsten Blödsinn zu behaupten. Eine der schönsten Entdeckungen ist, daß er für Schiller galiläischeS Blut in Anspruch nimmt. Aber die- Krone des Ganzen ist es doch, wenn Bewer, Ahlwardt übertrumpfend, wider Willen eine neue Zoologia comica antisemitica verfaßt, indem er schreibt: „Als der liebe Gott die Welt geschaffen, bemerkte er, daß er die Naubthiere vergessen hatte. Er ging wieder an die Arbeit und schuf zuerst, noch ein wenig nach seinem Ebenbild, den majestätischen und hochherzigen Löwen; dann aber gelangen sie ihm besser; es folgten: der Tiger, der Leopard, die Hyäne und endlich der Börsenschakal, der I u d e". Ob Herr Bewer, der sich stark auf den Christen hinausspielt, wohl an den Strasgesetzparagraphen über Gotteslästerung gedacht hat, als er in dem Löwen noch ein wenig „das Ebenbild Gottes" fand? Was so ein Antisemit sich wohl unter Gott vorstellen mag?" <j> Breslau» 3. Februar. An der Bewerbung um die von der hiesigen Universität gestellten Preisaufgaben haben sich jüdische Studenten in allen Fakultäten, mit Ausnahme der theologischen, erfolgreich betheiligt. Es erhielten den Preis bezw. eine öffentliche Belobung: in der juristischen Fakultät die Herren Paul Posener (derselbe erhielt schon einmal einen Preis) und Jömar Freund, in der medizinischen Herr Max K o h n aus Beuthen und in der philosophischen Herr Kurt Goldschmidt. ck. Glogau, 5. Februar. Von einem neuen gräflichen Konkurrenten Ahlwardt's berichtete der „Niederschlesische Anzeiger": „Graf Pückler-Klein-Tschirne hielt am 15. Januar im Gasthofe von Tschierschky eine Rede über das „Judenthum", die er zum Ueberfluß noch drucken ließ, um sie in den Nachbarorten als Flugblatt zu verbreiten. Darin nennt Graf Pückler die Juden „Satans-Volk" und knüpft