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Im deutschen Reich · 1899-02-01 · Heft 2 (Februar 1899) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 2 (Februar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-02-01
Page
98 (sequence 11)
Language
German
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98 3m deutschen Reich. gelS an Parteidisziplin unter den Antisemiten gewesen sei. Die betreffende Notiz des offiziellen BundeSorganS schloß mit der leicht verständlichen Erklärung- „daß eS geradezu eine der Lebensfragen für die antisemitische Partei sein dürfte, ob eS ihr gelingt, sich von Einflüffen frei zu. machen, welche lediglich das Zusammenarbeiten mit ihr erschweren, und die jedenfalls nicht dazu geeignet sind, die Einigkeit Gleichgesinnter, die allein den Erfolg verbürgt, zu fördern." — Hoffentlich wird diese gute Lehre auch von den Gegnern der Agrarier und Antisemiten beherzigt, denn nur dann können die der Wohlfahrt Deutschlands nachtheiligen Pläne scheitern, wenn alle wohlgesinnten Freunde des Lichts, der Wahrheit und Menschenliebe nach Einigkeit streben und Disziplin Lernen! Der jeder Disziplin abholde Antisemitismus hat sich bisher noch nirgends als ein Werkzeug erwiesen, mit dem ein Staatsmann als Netter von Staat und Kirche die Opposition mundtodt machen könnte. Die klerikalen Führer in Oesterreich stehen den Wuthausbrüchen der „nationalen" Antisemiten bereits rathlos gegenüber und sehen mit tiefer Bestürzung, daß sie selbst die Macht und Energie der „christlich-sozialen" Antisemiten Oesterreichs weit überschätzt haben. Tie Volksthümlichkeit des Wiener Bürgermeisters Carl Lueger ist offenbar im Niedergange begriffen, denn daß er in so ernster Zeit die „Hermannsschlacht" als Schandstück bezeichnet und für die Volkserziehung „Posten und Soubretten fordert", das Wohlthätigkeitskonzert im Wiener Rathhause absagt, weil die Philharmoniker nur unter ihrem jüdischen Dirigenten Mahler spielen wollen, ist vielleicht recht „weanerisch", kann aber den bedrängten Staat sicher nicht retten. Der von den nationalen Antisemiten erhobene gellende Ruf „Los von Rom!" sollte die österreichischen Klerikalen belehren, daß jetzt die von ihnen auf die Juden abgeschossenen antisemitischen Pfeile auf die Schützen zurückprallen. Vielleicht erkennt bereits der klerikalantisemitische Prinz Aloys Liechtenstein, was er angerichtet hat, wenn er wahrnimmt, welche Rathschläge sächsische Antisemiten ihren österreichischen Bundesgenossen ertheilen, um das Deutschthum in Oesterreich zu erhalten. Am 18. Januar schrieb die Zimmermann'sche „Deutsche Wacht": „Wir haben nicht das Vertrauen, daß die nationalen Nothwendigkeiten sich in Deutsch-Oesterreich dauernd durchzusetzen vermögen, solange die Machtstellung der katholischen Kirche dort ungebrochen ist. Deshalb sehen wir in dem Entschlüsse der Nationalen, nunmehr zum Werke zu schreiten, eine national befreiende That."

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