Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 97 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau. 97 konnte," suchte die „Staatsbürger-Zeitung" durch die seltsame Behauptung zu erklären, „daß sich das deutsch-christliche Rechtsgefühl aus lauter Kompromißmacherei mit der jüdischen Talmudmoral nicht ausleben könne." Dabei hatte mit der ganzen schmutzigen Sache kein Jude das Geringste zu thun, ja das Antisemitenblatt selbst mußte zugestehen, „daß man solchen Vorkämpfern gegenüber dazu kommen könnte, die Einrichtung der jüdischen Heirathsvermittler als höchst sittlich zu betrachten". Nachdem der antisemitische Krankheitsstoff Jahre hindurch systematisch den verschiedensten Gesellschaftsklaffen eingeimpft worden ist, kann es uns nur geringe Befriedigung gewähren, daß A h l w a r d t in einem unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erscheinenden Organ seinen ehemaligen Lorbeerspendern vorwirft, „ihn dem Hungertode und der Judenmache preisgegeben zu haben", daß Stöcker' s Reichstagsmandat, welches er angeblich nur einer landräthlichen Beeinflussung und den in der Gemeinde Beienbach vorgekommenen Unregelmäßigkeiten verdankt, wahrscheinlich als ungültig erklärt wird, daß vier Antisemitenblättrr (das. Münchener „Deutsche Volksblatt", der Heidelberger „Volksbote", die Frankfurter „Post" und die Offenbacher „Volksmacht") in Folge ungenügender Rentabilität neuerdings in ein und derselben Druckerei in Offenbach gleichlautend hergestellt werden müffen. In den Reihen der konservativen Reichstagsabgeordneten befinden sich ja Abgeordnete, welche kein minder judenseindliches Programm haben, als die von der Bildfläche verschwindenden offenen Antisemiten. Von dem konservativen Abg. Fritzlaff versicherte z. B. die „Deutsche Reform", daß er im Beisein des Landraths sich bereit erklärt hätte, im Reichstage für die weitgehendsten Forderungen der Antisemiten kräftig einzutreten. Der „Bund der L a n d w i r t h e" bildet zudem für die heiser gewordenen antisemitischen Schreier einen Erholung bietenden Unterschlupf. Nachdem der ehemalige hessische „Neichsherold" Dr. Otto B ö ck e l schon früher aus diese Weise Versorgung gefunden, ist vor wenigen Wochen dem Redakteur der antisemitischen Magdeburger „Sachsenschau", Kreutz, die Geschäftsführung des Bundes der Landwirthe für die Provinz Sachsen und die thüringischen Staaten übertragen worden. Es bleibt abzuwarten, ob durch dieses Manöver der Zweck erreicht wird, das ganze Gefolge der „reinen Antisemiten" zur agrarischen Heeresfolge zu bringen. Daß Herr von Wangenheim dies im Auge hat, geht aus dem Bekenntniß der „Korrespondenz des Bundes der Landivirthe" hervor, daß die Ausschließung einiger Antisemiten aus dem Bunde der Landwirthe eine Folge des Man-