Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 96 (sequence 9)
- Language
- German
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Im deutschen Reich. Weise herauszugraulen, obwohl ihre Zahl prozentual hinter dem Prozentverhältniß der jüdischen Kinder zurückbleibt. Diese Anschauungen haben sich auf die Vorsteherinnen von höheren Töchterschulen ausgedehnt, die theilweise jüdische Schülerinnen nicht aufnehmen." Später wandte sich auch der Abg. Nickert gegen den Erlaß über die jüdischen Lehrer und sagte: „Ich bin darin grundsätzlich mit dem Kultusminister nicht einverstanden und hörte mit tiefem Bedauern, wie er von „zwei jüdischen Herren" sprach, die ihn eines Besieren hätten belehren wollen. Bringen wir Christen jüdische Beschwerden vor, so sind wir Judenknechte. Bringen die jüdischen Herren die Beschwerden selber vor, so sagt der Minister: „ich kann mich doch durch die jüdischen Herren nicht beeinflussen laffen". ES war doch ihre Pflicht, Beschwerden vorzubringen. Die Hauptsache ist nicht, wer die Sache vorbringt, sondern was vorgebrachtworden ist. Uebrigens hat Dr. Hermes zu dieser Frage in der Stadtverordneten-Versammlung gesprochen, der, so viel ich weiß, nicht zum Judenthum übergetreten ist." Wo man sich bemüht, jedem Menschen gegenüber die mit Liebe gepaarte Wahrhaftigkeit zu bethätigen, wird man nicht gegen Simultan» schulen eifern und die Ausweisungen jüdischer Kinder aus allgemeinen Schulen fordern. Dies hat auch der Lberhofmeister der Kaiserin, Freiherr von Mirbach, empfunden, als er in seinem Vortrag über die Palästinareise des Kaiserpaares einen Besuch im Erziehungshause in Beirut erwähnte und sagte: „Besonders interessant, schön und bedeutungsvoll in seiner Art ist der gemeinsame Religionsunterricht, an welchem Kinder sämmtlicher christlicher Konfessionen und selbst Muhamedanerinnen und Jüdinnen sich mit Freude betheiligen. Von den evangelischen Geistlichen wird die biblische Geschichte und alles, was die christlichen Konfessionen gemeinsames haben, gelehrt; nur zum Konsirmandenunterricht gehen die Kinder zu den eigenen Geistlichen." Diese Aeußerung veranlaßte die „Frankfurter Zeitung" zu der richtigen Bemerkung: „Sind die Angehörigen anderer Konfessionen weniger objektiv, und soll, wenn ein protestantischer Prediger unbefangen genug ist, um auch. Kinder anderer Konfession über biblische Geschichte zu unterrichten, ein gleich" mäßiger Schulunterricht in Simultanschulen ohne Schädigung der einzelnen Konfessionen nicht möglich sein?" Diese Frage würde zweifellos bejaht werden müssen, wenn die mit dem Geist der Wahrhaftigkeit und der Liebe völlig unvereinbare „Antisemiten-Moral" nicht auf so weite Kreise bereits sinnenverwirrend gewirkt hätte. „Daß ein Prozeß wie der Grützmacher'sche den Namen des deutschen Volkes beschmutzen