Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 95 (sequence 8)
- Language
- German
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Umschau. 95 rechtSlehrer Sohm widerlegte „System des christlichen Staats" sich in den Verwaltungsmaximen ebenso wenig geltend machen können wie die durch die Gesetzgebung des vorigen Jahrhunderts bereits hinfällig gewordene „konfessionelle Volksschule". Treffend führt die „Frankfurter Ztg." auS: „So sehr schwebt die Simultanschule der Verfassung als die allgemeine Einrichtung vor, daß die Verfassung es für nöthig hält, den konfessionellen Verhältnissen innerhalb dieser Institution wenigstens noch „Berücksichtigung" zuzusagen. Herr Boffe hat nun mit ausdrücklichen Worten erklärt, daß er diese Einschränkung der Verfaffung zur Hauptsache mache, die Simultanschule im übrigen aber als allgemeine Einrichtung in Preußen nicht anerkennen werde. Nicht einmal die bestehenden Simultanschulen will Herr Boffe schonen, sondern nur solche, „die sich bewährt haben", d. h. selbstverständlich, die sich nach seiner Ansicht bewährt haben. Schulvorsteherinnen in Berlin, die jüdische Schülerinnen abweisen, giebt er Recht und erklärt, daß er auch für spezifisch jüdische Schulen „mit Freuden" die Konzession erlheilen wolle. Noch niemals hat Herr Boffe sich so offen zu einer antisemitischen Forderung bekannt ivie hier zu der der „Judenschulen", die er nicht nur bewilligen, sondern sogar „mit Freuden" bewilligen würde. So sehr identifizierte sich Herr Bosse mit dem Antisemitismus, daß er sich nicht damit begnügte, den Eltern zuzustimmen, die ihre Kinder nicht von einer jüdischen Lehrerin unterrichtet sehen wollen, sondern daß er ausdrücklich versicherte, hierfür Verständniß zu haben, „auch abgesehen von der religiösen Seite". — Der Minister Dr. Bosse hat, als er dies im Abgeordnetenhause erklärte, das Bedürfniß gefühlt hinzuzufügen, daß seine Aeußerungen mit dem Semitismus und dem Antisemitismus nichts zu thun hätten, aber das hätte eigentlich dem Leiter des „Ministerium des Geistes" klar sein müffen, daß er mit seinen Ausführungen dem antisemitischen Programm entsprach, welches von dem ehemaligen Hofprediger Adolf Stöcker und seinen Genossen am 13. Januar in der „Tonhallen-Versammlung" entrollt und in einer Resolution festgelegt worden war. Der Minister versicherte, daß er „mit dem allerruhigsten Gemüth vor das Haus hingetreten sei", was bei der Zusammensetzung des Abgeordnetenhauses durchaus glaubhafk erscheint. Trotzdem machte es auf die Volksvertretung einen tiefen Eindruck, daß selbst der freikonservative Abg. von Zedlitz die Behandlung der jüdischen Lehrerinnen mißbilligte und der Abg. Eugen Richter erklärte: „Man bemüht sich jetzt hier in Berlin trotzdem die jüdischen Lehrer — ich kann es nicht anders nennen — in kleinlicher