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Im deutschen Reich · 1899-02-01 · Heft 2 (Februar 1899) · p. 94

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 2 (Februar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-02-01
Page
94 (sequence 7)
Language
German
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D4 3m deutschen Reich. der Religionslehrer sein Amt mit dem eines Schächters verbindet, ist ein Uebelstand, welcher in jüdischen Kreisen wahrscheinlich aufrichtiger bedauert wird, als von den Hintermännern der „Grenzboten", übrigens leicht abzustellen wäre, wenn die Regierung in den Etat die Mittel zur Besoldung jüdischer Religionslehrer einstellen würde. Die Juden zahlen Steuern genug, daß auch ihnen gegenüber der Spruch zur Wahrheit gemacht werden sollte, „daß dem Volke die Religion erhalten werden müsse". Das Schächtverfahren entwürdigt schon deshalb den Lehrer in kleinen Gemeinden nicht, weil es von den strenggläubigen Juden als ein biblisches Gebot heilig gehalten wird. Die Art, wie diese gewiß aus thierfreundlichen Gründen angeordnete und nur im Widerspruch mit den Gutachten der bedeutendsten Fachkenner neuerdings von einzelnen Thierschutzvereinen bekämpfte Schlachtmethode von den Antisemiten dazu mißbraucht wird, Stimmung gegen das Judenthum zu machen, muß unbefangenen Christen verwerflich erscheinen. Der Professor der evangelischen Theologie an der Berliner Universität Dr. Hermann L. Strack hat einen neuen Beweis seines Gerechtigkeitssinns gegeben, indem er in seiner Zeitschrift „Nathanael" einem Aufsätze des Pfarrers Friedrich W e i ch m a n n in Sternberg Raum gewährte,- welcher in streng objektiver Darlegung die gegen das Schächten erhobenen Anschuldigungen prüfte und ihre völlige Grundlosigkeit betonte. Weichmann bestritt, daß die für den Eingriff in die religiöse Gewissensfreiheit durch ein Schächtverbot vorgeschützte Behauptung der Thierquälerei irgend begründet sei. Er betonte, daß in der Schweiz nur der in den deutschen Kantonen vorhandene Antisemitismus das Verbot erwirkt habe, und er fügte hinzu: „Der italienische Arzt Dr. Vincensi in Sassari hat unlängst in dem Weihwafferkeffel einer belebten Kirche eine Menge von Bakterien, auch Diphtheriebazillen, gefunden. Will man den Gebrauch des Weihwassers verbieten?! Und von den gegen das Schächten erhobenen Beschuldigungen ist doch keine einzige wirklich treffend. Durch unerwiesene Beschuldigungen erbittert man nur, noch mehr durch erweislich falsche. Jedem Mitmenschen gegenüber sollen wir mit Liebe gepaarte Wahrhaftigkeit bethätigen; auch denen, die nicht unseres Glaubens G e n o s s e n s i n d." Mehr haben die deutschen Juden nie verlangt; mehr werden sie nie verlangen, als daß man ihnen gegenüber mit Liebe gepaarte Wahrhaftigkeit bethätige. Dann würde das von dem getauften Juden Stahl ersonnene und von dem evangelischen Kirchen-

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