Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 91 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 91 Drohungen zu schreiben wagten, wandelte später die „Fronde", deren Grundsatz lautete „Und der König absolut, wenn er uns dm Willen thut." Wenn die „Kreuzztg." es trotzdem wagte, den „Monarchismus der Judenfchast als nicht waschecht" Hinzustellen und die „mit pathetischen Worten betheuerte Königstreue der Juden" anzuzweifeln, so richtet« sie ihre Vorwürfe an «ine falsche Adresie. Warum ereiferte sie sich denn nicht lieber über jene Antisemiten, welch« sich nicht scheuten, Gnadenbeweise deS Kaisers einer unliebsamen Kritik zu unterziehen? Als vor kurzem einem jüdischen Ehepaare, welches die eisern« Hochzeit feiert«, ein Kabinetsschreiben zuging, wonach der Kaiser dem greisen Jubelpaar Gottes Segen wünschte, veranlaßt« dies sofort die „Staatsbürger-Zeitung", die „Deutsche Tageszeitung" und andere antisemitische Blätter, ihre Verwunderung darüber auszudrücken. Die „Deutsche Wacht" erinnerte in ironischer Weise daran, daß der jüdische „Hofblitzlichtphotograph" Baruch im vorigen Jahre zu den Maskenfesten am kaiserlichen Hofe für die Aufnahmen befohlen worden sei. - Heftiger noch als die Verleihung des Kronenordens zweiter Klasse an den als angeblichen „Judenstämmling" angefeindeten Afrikareisenden Dr. Esser wurde von diesen Organendie Verleihung des Kronenordens erster Klasse an den Baron Alfred von Rothschild kritisiert. Dieselbe veranlaßte den antisemitischen „General-Anzeiger" Sedlatzek's, die Sarkasmen des bayerischen Abg. Dr. Sigl wiederzugeben und dann zu schreiben: „Schon di« Entfernung Waldersee's und Stöcker's aus Berlin, bezw. vom Hofe und noch vielmehr die Antworten, welche bei mancherlei Gelegenheiten die jüdischen Deputationen vom Kaiser erhielten, mußten es als im höchsten Grade zweifelhaft erscheinen lassen, als sei der Kaiser in Bezug auf den Antisemitismus und das Judenthum den Anschauungen treugeblieben, die angeblich den Prinzen an die Seite Waldersee's und Stöcker's gedrängt haben. Und nun diese allerhöchste Auszeichnung des jüdischen Barons Rothschild, der unseres Wissens außer seinen Geldsäcken nur das Verdienst für sich reklamieren kann, daß er der Privatbanquier — Buchhalter würde Bismarck sagen — vieler gekrönter Häupter ist! Es kann da nicht fehlen, daß Kaiser Wilhelm auch seitens der Juden sich bald der Liebe und Werthschätzung erfreuen wird, die sein Vater in so reichem Maße genossen hat." Im wohlthuendsten Gegensätze zu den seltsamen Ansichten, welche die Antisemiten über nationale und patriotische Pflichten haben, stehen auch die streng wissenschaftlichen, geschichtstreuen Ausführungen eines bekannten christlichen Königsberger Rechtslehrers. Der Geheimrath Professor Tr. Philipp Zorn sagt in der von ihm verfaßten