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Im deutschen Reich · 1899-02-01 · Heft 2 (Februar 1899) · p. 78

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 2 (Februar 1899)
Article
Ein verkanntes Proletariat
Date
1899-02-01
Page
78 (sequence 4)
Language
German
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78 Im deutschen Reich. wir finden vielmehr in der Bibel selbst die Namen derjenigen Handwerker erwähnt, welche bei der Herstellung von bestimmten zur Ausschmückung des Bauwerkes dienenden Gegenständen mitgewirkt haben. Woran es allerdings zur damaligen Zeit bei den Juden gefehlt haben mag, das waren Bildhauer und Künstler überhaupt. Die Ursachen für diese Erscheinung sind aber rein religiöser Natur. Fast bei allen Völkern ist die Religion der Ausgangspunkt für die Kunst; die Darstellung der Götter oder des religiösen Gedankens ist die Grundlage der Bildhauerei und Malerei. Der Monotheismus der Juden aber und das förmliche und strenge Verbot jeder bildlichen Darstellung Gottes in den zehn Geboten haben von Anfang an das Entstehen einer darstellenden Kunst unmöglich gemacht. Auch die weltliche Kunst, falls überhaupt von einer solchen in niedrigen Kulturzuständen die Rede sein kann, konnte sich bei den Juden nicht entwickeln. Denn da sie sich als das Volk Gottes betrachteten, so ließen sie keinen Ausdruck menschlicher Verherrlichung zu. Zu wiederholten Malen sehen wir denn auch in der Bibel die Propheten auftreten, um mit herben Worten ihr Volk zu geißeln, das berauscht von den Siegesthaten seiner Könige, sich anschickt, ihnen Denkmäler zu errichten. Das jüdische Volk ist während der ganzen Zeit seiner Unabhängigkeit ein Ackerbauvolk, das das Wort Gottes vollzieht und vertieft. Erst nach ihrer unfreiwilligen Zerstreuung unter die anderen Nationen tritt der Handel bei ihnen auf. Durch das Schwert ihrer Ueberwinder getrennt, setzen sie die rein geistigen Beziehungen zu ihren in den Nachbarländern wohnenden Brüdern fort, und nun erst beginnen sich bei ihnen der Unternehmungsgeist und Wandertrieb zu regen. Im Laufe der Jahrhunderte machen sich diese Einflüsie naturgemäß in steigendem Maße geltend, und so entsteht schließlich eine Generation, die großentheils den Landbau schon ganz verlernt hat. Wie hätten sie auch in der Fremde, wo ihnen der Besitz von Grund und Boden untersagt war, den Boden bestellen können? Allein, wenn so der Ackerbau auch bei einer Anzahl von Juden mehr und mehr verschwindet, so bleibt das Handwerk doch bei ihnen bestehen. Ja, den Juden ist die Handarbeit so eigenthümlich, daß sie von vielen nusgeübt wurde, die ihr thenerstes Kleinod, die Bibel, hüteten und

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