Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Galizischer Antisemitismus
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 72 (sequence 3)
- Language
- German
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H 3m deut>chen Reich. lichen Politikern und Volksvertretern aus Galizien. Die Gutachten sind bis jetzt nicht veröffentlicht worden, und es scheint, daß das in ihnen enthaltene schätzbare Material kaum zu praktischer Berwerthung gelangen wird. Es stellen sich der Verbeflerung der Lage der galizischen Juden, welche beinahe ein Achtel der Bevölkerung der Provinz bilden, zwei sehr große Schwierigkeiten entgegen, erstens die Armuth des Landes überhaupt und in noch größerem Maße die der jüdischen Bevölkerung, zweitens der Mangel an gutem Willen oder vielmehr die Feindseligkeit der das Land beherrschenden feudalen und klerikalen Elemente. Ob und wie der Armuth abzuhelfen wäre, schlägt in das Fach der Nationalökonomie und Sozialpolitik, ist also zur Behandlung an dieser Stelle nicht geeignet. Dagegen haben die sonstigen Zustände in Galizien doppeltes Interesse für „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens", ein jüdisches und ein allgemein deutsches; denn sie zeigen, wohin autonomistische Konzessionen an die Polen im Posenschen führen könnten. Die polnischen Politiker verstehen es sehr gut, die Hand zu ergreifen, wenn man ihnen nur einen Finger reicht. 'Sie betrachten Galizien gewissermaßen als heiliges polnisches Land, das durch Ansiedelung eines Deutschen entweiht wird. Die Juden, welche sich polonisieren, dulden sie gewissermaßen als ein kleineres Uebel, dessen Ausbreitung man zu verhindern suchen müsse. Kein Jude kann dort in den österreichischen Reichsrath gewählt werden, der sich nicht verpflichtet, in den polnischen Klub oder, wie sie sagen, in die polnische Delegation in Wien einzutreten. Dies erklärt auch das schwächliche und laueAuftreten derjüdischenDeputirten aus Galizien im Reichsrathe. Sie dursten eben nicht weiter gehen, als ihnen der Klub gestattet. Es scheint auch, daß den Polen die ungebildeten Juden, welche nicht studieren wollen, lieber sind als die gebildeten, welche ihnen als Advokaten, Aerzte, ja sogar in der Beamtenlaufbahn Konkurrenz machen. Ueberhaupt liegt der Volksunterricht dort sehr im argen; siebzig Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten. Daß die Machthaber es verstehen, die Anstellung jüdischer Beamter in einem der jüdischen Bevölkerung entsprechenden Verhältniß zu verhindern, ist selbstverständlich. Wahrhaft grausam ist es aber, daß man denJuden. während man ihnen vorwirft, daß sie Schacherer sind und Handwerk und