Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Galizischer Antisemitismus
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 71 (sequence 2)
- Language
- German
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Galizischer Antisemitismus. 71 deuteten „technischen Schwierigkeiten" finden oder schaffen würde, um bald in noch anderenSchulen besondere „Judenklaflen" einzuführen ohne „das Gesetz an sich", wie sich der Minister so schön ausdrückte, zu verletzen. Es ist einmal das Schicksal der Juden bei allen Kämpfen zwischen Freiheit und Despotismus, zwischen Fortschritt und Reaktion in Mitleidenschaft gezogen zu werden. So in Frankreich im Kampfe zwischen Republikanern und klerikalen Monarchisten, in Deutsch-Oesterreich im Kampfe zwischen Deutschen und Slaven, Klerikalen und Freisinnigen. Am schlimmsten ergeht es ihnen aber in Galizien, wo sich Klerikalismus und übermüthig gewordener polnischer Nationalismus gegen sie verbinden. Die Plünderungen und Mißhandlungen der Juden im vorigen Jahre, welche die Negierung zur Einführung des Ausnahmezustandes in einem großen Theile Galiziens veranlaßten, sind allgemein bekannt; über ihrer Entstehung und Veranlassung lagert aber noch immer undurchdringliches Dunkel. Bei den zahlreichen Prozessen, welche gegen die sichtbaren Uebelthäter geführt wurden, scheint man jedes Forschen nach den unsichtbaren vermieden zu haben. Die polnische Presse sprach freilich mit heuchlerischem Mitleid von dem „armen verführten Volke" und schob alle Schuld den Sozialdemokraten und den Juden zu. Wie dieSchuld derletzteren von manchenRichtern konstruiert wurde,darüber habe ich bereits im Augusthefte v. I. dieser Zeitschrift berichtet. Aber mit solchen Richtersprüchen und der Verurtheilung einiger Plünderer ist die Sache nicht abgethan. Es handelt sich darum, wie solchen Vorgängen für die Zukunft vorgebeugt werden soll. Das wäre eigentlich Aufgabe der Central-Regierung, aber es verlautet nicht, daß sie etwas gethan hätte. Sie scheint sehr großen Respekt vor der galizischen „Autonomie" zu haben, und die Polen verstehen es überhaupt, während sie in allen allgemein österreichischen Angelegenheiten sehr großen Einfluß besitzen, die Einmischung der „Deutschen", das will sagen der Central-Regierung und des ReichSraths, in galizische Angelegenheiten zu verhindern. Dies hat indessen die hiesige Oesterreichisch-israelitische Union nicht abgehalten, eine Enquvte über die Lage der Juden in Galizien zu veranstalten. Es wurden dabei 42 Gutachten abgegeben, größtentheils von galizischen Juden, aber auch von einigen christ-