Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Galizischer Antisemitismus
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 73 (sequence 4)
- Language
- German
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Galizischer Antisemitismus. XB Ackerbau verschmähen, den Uebergang vom Handel zu diesen Berufszweigen in jeder Weise zu erschweren sucht. Christliche Meister nehmen gewöhnlich keine jüdischen Lehrlinge an; gelingt es aber einem Juden doch, das Meisterrecht zu erwerben, so sucht man dessen Etablierung möglichst zu verhindern. Ueber einen besonders interessanten Fall dieser Art wird in den Mittheilungen der österreichisch-israelitischen Union vom November v. I. berichtet: Ein gewisser Getzel Kleinberger in Krakau hatte im Jahre 1862 den Gewerbeschein als Tischlermeister vom Stadtmagistrat erhalten. Trotzdem wurde ihm bei der Neuordnung der Genossenschaft im Jahre 1883 die Aufnahme unter dem Vorwände, daß er keinen Befähigungsnachweis besitze, verweigert. Auf seine Beschwerde wurde der Bescheid der Genossenschaft vom Krakauer Stadtmagistrat mit wahrhaft elektrischer Schnelligkeit schon nach sieben Jahren als ungesetzlich aufgehoben und der Genossenschaft aufgetragen, den Kleinberger indas Genossenschaftsregister einzutragen. Die dagegen von der Genossenschaft erhobenen Rekurse wurden von der Statthalterei und vom Ministerium abgewiesen und am 1. Mai 1891 dem Genossenschaftsvorsteher aufgetragen, die Eintragung vorzunehmen. Gleichzeitig wurde ein Magistratsbeamter beauftragt, die Vollziehung des Auftrages zu überwachen und darüber binnen vierzehn Tagen zu berichten. Allein die Vorstehung kehrte sick nicht daran und verweigerte unter allerlei Vorwänden die Eintragung. Nachdem wiederholte Beschwerden Kleinberger's bei den höheren Behörden unbeantwortet geblieben waren, erhielt er endlich von der Statthalterei den Bescheid, daß sie die Sache dem Handelsministerium zur neuerlichen Entscheidung vorgelegt habe. Nach wiederholten Gesuchen an letzteres und auf eifrige Verwendung des Abgeordneten Dr. Kronawetter wurde endlich vom Minister am 31. Dezember 1897 der Statthalterei aufgetragen> die Entscheidung vom Mai 1891 endlich auszuführen. Aber Magistrat, Statthalterei und GenossenschaftSvorstehung kehrten sich nicht daran. Darauf wurde am 29. September v. I. von Dr. Kronawetter eine Interpellation im Abgeordnetenhause eingebracht, aber bald darauf ward der klerikale Baron Dipauli Handelsminister, und dieser hat bis jetzt nicht geantwortet. — Allein diese Heldenthaten der Krakauer Tischlergenossenschaft sind Kleinigkeiten gegenüber den antisemitischen Thaten der Macht-