Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1899)
- Article
- Galizischer Antisemitismus
- Date
- 1899-02-01
- Page
- 70 (sequence 1)
- Language
- German
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70 Galizischer Antisemitismus. ^Wit der Zurückdrängung der Deutschen in Oesterreich und der Bevorzugung und Verhätschelung der Slaven beginnt auch der Antisemitismus sich zu slavisieren. Und dies ist auch begreiflich, denn die Juden in Oesterreich sind, abgesehen von den ungarischen, die auch erst in den letzten Jahrzehnten sich magyarisierten, größtentheils Deutsche. Sie sprechen auch in den slavischen Provinzen einen deutschen Dialekt, und man wird dort kaum einen Juden finden, mit dem man sich nicht in deutscher Sprache verständigen könnte, dagegen recht viele, die nicht tschechisch, beziehungsweise polnisch sprechen können. So sind denn auch die Plünderungen und sonstigen Ausschreitungen in Prag gegen die Juden so gut wie gegen die Deutschen gerichtet gewesen. Und wenn auch die Deutschnationalen in Wien sich noch immer als „stramme Antisemiten" bekennen, so haben doch in neuester Zeit ihre Vertreter im Gemeinderath mehr als einmal mit den Juden und „Judenliberalen" gegen den Bürgermeister Lueger und seine klerikalreaktionären Mameluken gestimmt, während diese die deutschnationalen und jüdischen Lehrer in gleicher Weise zurücksetzen und bedrängen. Eine ungesetzliche Verfügung des Bezirksschulraths, die jüdischen Kinder von den christlichen abzusondern, hat das unter klerikalen Einflüssen stehende Ministerium trotz wiederholter Beschwerden nicht annulliert und die Beantwortung einer in Bezug darauf im Abgeordnetenhause eingebrachten Interpellation ungebührlich lange verzögert. Die Antwort, welche der Unterrichtsminister endlich ertheilte, war sehr gewunden, und wenn er auch die Gesetzlichkeit der Verfügung nicht behauptete, so wollte er doch die an einigen Schulen bereits durchgesührte Absonderung nicht rückgängig machen. Im übrigen -enthielt seine Rede einige Winke für die Antisemiten, welche diese gewiß benutzen werden, um in geschickterer und minder flagranter Weise das Schulgesetz zu umgehen. Es sollte mich nicht wundern, wenn der antisemitische Bezirks-Schulrath die vom Minister ange-