Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 36 (sequence 6)
- Language
- German
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SS Im deutschen Reich. Dr. Fr. Lange ebenfalls Entsetzen. Er schreibt: „So wenig wir sonst gegen die Einrichtung der Schulärzte einzuwendey haben, so ist doch «inzuräumen, daß die hier angedeutet« Gefahr für Berlin besteht; befinden sich doch allein unter den Mitgliedern der Berliner jüdischen Gemeinde 716 Aerzte. Einstweilen genügt «S, hierauf hinzuweisen." Bei den entschieden antisemitischen Neigungen in dem Leserkreise der „Kreuz-Zeitung" ist es von Interesse, zu beobachten, daß zwischen den Konservativen und den „reinen Antisemiten" keine andere Gemeinschaft herrscht als der blinde Judenhaß, währendauf jedem anderen Gebiete die Meinungen und Neigungen sehr weit auseinandergehen. Schon in den ersten Dezembertagen hatte in einer Versammlung des „Deutschen Antisemitenbundes" der einzige Abgeordnete der deutsch-sozialen Reformpartei im preußischen Landtage, Ludwig Werner»Hersfeld, den Konservativen in den schärfsten Ausdrücken vorgeworfen, die Antisemiten im Lande bekämpft und selbst in Berlin die gegebenen Versprechungen nicht gehalten zu haben. Die Konservativen glauben eben versteckt Antisemitismus treiben« und doch die Konkurrenz der offenen Antisemiten besiegen zu können. Der „Bund der Landwirthe" soll ihnen dazu die Handhabe bieten; dazu ermuthigte sie die von dem Bundesvorsitzenden Freiherrn von Wangenheim in Danzig gebrauchte Redewendung, „daß die deutsch-soziale Reformpartei zwar im Großen und Ganzen auf dem Standpunkte des Bundes stehe, aber in ihrer Mitte viele Franctireurs berge, welche ihre eigenen Wege gehen". Gegen diese unbotmäßigen antisemitischen Mitglieder ist die Bundesleitung mit bemerkenswerther Energie vorgegangen, wenn sie auch zunächst in der „Deutschen Tageszeitung" die Botschaft, daß sie alle antisemitischen Mitglieder zum Austritt veranlaßt habe, sofort als „Tartaren-Nachricht" bezeichnen ließ. Es stellte sich aber doch alsbald heraus, daß einige Bundesmitglieder, die bei den Wahlen antisemitische Sonderbestrebungen bekundet hatten, thatsächlich ausgeschlossen worden sind. Darunter befinden sich der Vorsitzende der deutschsozialen Reformpartei, Hauptmann H e r t e r - Steglitz, betr bei Gelegenheit der Neichstagöivahlen den Bierverleger und Stadtverordneten Fröhlich in Potsdam als Kandidaten für den Wahlkreis Teltow aufgestellt und diese Kandidatur gegen die von den Vertrauensmännern des Bundes fast einstimmig genehmigte konservative Kandidatur Vorberg aufrecht erhalten hatte. Fröhlich- Potsdam selbst, ferner der Landtagsabgeordnete Träber-ArnSdorf, der mit antisemitischer Hilfe de» konservativen Kandidaten Bahrmann aus dem Felde