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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 37

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-01-01
Page
37 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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Umschau. 87 schlug. Bezeichnend für das Verhältnis der „Tivoli-Antisemiten" zu den „reinen Antisemiten" ist der Zwist zwischen dem Oberamtmann Ring und dem Hauptmann He rLer, der einst in Spandau Herrn AhlwardL mit einem Lorbeerkranz geschmückt hat. Der Herr Hauptmann hat nämlich behauptet, daß der Oberamtmann Ring durch eine Täuschung bei der letzten Reichstagswahl die Wahl des Superintendenten Dorberg begünstigt habe. Die Täuschung liege darin, daß Ring im Bunde der Landwirthe für die Wahl Vorberg's Stimmung gemacht und verschwiegen hatte, daß der Stadtverordnete Fröhlich als Kandidat aufgestellt sei. Ring hat den Hauptmann Herter wegen dieses Vorwurfs auf Säbel gefordert. Herter hat aber diese Forderung abgelehnt und den Beweis der Wahrheit seiner Behauptung angeboren. Da der Schriftsteller Joachim Gehlsen in Charlottenburg in seiner Wochenschrift den Fall eingehend behandelt hat, ist er vom Oberamtmann Ring wegen Beleidigung verklagt worden. Ein ähnliches Verhällniß, wie es im deutschen Reiche zwischen den antisemitischen Konservativen und den antisemitischen Reformern und Franctireurs besteht, ist in Oesterreich zwischen dem christlichsozialen Anhang des Wiener Bürgermeisters Carl Lueger und dem deutsch-nationalen Gefolge des Abg. Wolf vorhanden. Mit Recht sagte die „Volkszeitung" kürzlich: „Die antisemitische Brutalität ist international, so chauvinistisch-national sich diese Partei auch in dem jeweiligen Vaterlande geberdet. Gewaltthätigkeiten bezeichnen ihre Spuren in Deutschland, Oesterreich und Frankreich. Als am 13. Dezember in der Sitzung des Wiener Gemeinderaths Oberbürgermeister Lueger mit der ihm eigenen Diktatorneigung einfach verordnete, jeder Redner müsse sich persönlich beim Schriftführer zum Worte melden, entspann sich eine Debatte über die Geschäftsordnung. Diese Debatte gestaltete sich so stürmisch, daß die Gemeinderäthe Förster, Brix und Mittler von der stattfindenden und den drei nächsten Sitzungen ausgeschlossen wurden. Förster und Mittler wollten sich nicht auö dem Saale entfernen und wurden durch den Amtsdiensr hinausgetragsn bezw. hinauSgeführt. Brix hatte den Saal bereits freiwillig verlassen." — Dieser Vorgang veranlagte das offiziöse „Wiener Fremdenblatt" über die „Verwilderung im Wiener Gemeinderath" zu leitartueln und daran knüpfte sich das Gerücht, Lueger wolle auf sein Bürgermeisteramt verzichten, weil der Statthalter von Niederösterreich, Graf Kielmannsegge, mit dem Verhalten Lueger's als Leiter der Verhandlungen im Gemeinderath, mit seiner Handhabung der „Geschäftsordnung" und der Maßregelung der liberalen Gemeinde-

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