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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 34

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1899-01-01
Page
34 (sequence 4)
Language
German
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Im deutschen Reich. «4 jüdischer Töchterschulen, sei den Berliner Stadtvätern gar nicht eingefallen. Der Berliner Magisttkt würde wahrlich, wenn ihm Derartiges eingefallen wäre, sich kaum entschlossen haben, konfessionelljüdische Schulen nach dem Rezept der Kreuzzeitungs-Partei zu gründen und damit den sehnlichsten Wunsch der Antisemiten zu erfüllen. Wären unsere Stadtväter Schüler des „Kreuz-ZeitungS-Weisen", dann wäre nicht nur in unserem Schulwesen, sondern auch in anderen Ressorts unserer Stadtverwaltung manches anders, aber gewiß kaum besser als es ist. In der Berliner städtischen Behörde giebt es rechtlich und vorurtheilsfrei denkende Männer, die ihre Hand nicht dazu bieten, den Grund zu Ghettomauern zu legen und gleichzeitig den Riß in Staat, Stadt und Gesellschaft zu erweitern. Die Antisemiten wollen die Drachensaat des Nassen- und Religionshasies systematisch in die jugendlichen Herzen säen, damit sie in den Erwachsenen aufgehe. Diese böse Absicht ist unverkennbar. Wie die Berliner Stadtgemeinde Privat schulen gründen könnte, ist ein Geheimniß der „Kreuz-Zeitung". Die Machtbefugnisse, die der Stadt eingeräumt werden, wenn es sich darum handelt, die Juden zu Bürgern zweiten Grades herabzusetzen, zeugen von einer Herzensgüte, für die wir bestens danken. Empfindlich wie die „Kreuz-Zeitung" einmal für jeden behördlichen Zwang ist, findet sie es unerhört, daß die Leiter von Privattöchterschulen angehalten werden sollen, ihre Pflicht zu thun und ihr« Stellung nicht zu benutzen, um Bürger mit gleichen Pflichten in ihren gleichen Rechten zu schmälern. Unseres Erachtens hat jeder, der die Erfüllung einer Pflicht als Zwang empfindet, als Jugenderzieher seinen Beruf verfehlt. Das wird auch an maßgebender Stelle anerkannt werden müsien. Wie aber der Hofprediger a. D. Stöcker den Beruf der Jugenderzieher auffaßt, geht daraus hervor, daß das Stöckerblatt „Volk" die christlichen Lehrerinnen rüffelt, welche dem Verein „Frauenwohl" angehören, der sich der zurückgesetzten jüdischen Lehrerinnen angenommen hat. Dieses Blatt findet eü auch mit der Würde einer christlichen Lehrerin unvereinbar, für die Friedensliga zu agitieren, weil der Landesherr im Kriegsfall die Berlesung eines KriegüaufrufS in den Schulen anordnen könnte! Die „Kreuz-Zeitung", welche sich zur Beschützerin der „exklusiven Schulvorsteherinnen" aufgeworfen hat, schrieb am 28. v. MtS.: „Nicht aus konfessionellen" Rücksichten, wohl aber aus Gründen anderer hinlänglich bekannter Art wollen viele christliche Eltern ihre Kinder von der Berührung mit dem Judenthum ferngehalten wissen. Nur deshalb weisen die Schulvorsteherinnen, soweit sie eS überhaupt thun.

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