Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- Die Verhandlungen des ersten vereinigten preußischen Landtages vom Jahre 1847 über den Entwurf einer Verordnung, die Verhältnisse der Juden betreffend
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 22 (sequence 3)
- Language
- German
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22 3m deutschen Reich. Bildungsanstalten seien, daß daher alle Disziplinen eng zusammengehören und nicht beliebig von einander getrennt werden können. Auf den Standpunkt der Majorität stellten sich unter anderen Graf R e d e r n, der mit Hochachtung von den wissenschaftlichen Leistungen der Juden auf verschiedenen Gebieten sprach, und Graf D y h r n, welcher meinte, es sei Aufgabe der Universität, Menschen von Bildung, nicht blos gebildete Deutsche, zu erziehen. Andere hoben hervor, daß, wenn man die Juden veranlassen wolle, sich höhere Bildung anzueignen, man sie auch in den Stand setzen müsse, die erworbenen Kenntnisse zu verwerthen. Die Vertreter der Idee des christlichen Staates wollten dagegen die Juden besonders von den ordentlichen Professuren der philosophischen Fakultät ausschließen. Die Majorität entschied sich für die Zulassung zu den ordentlichen Professuren der medizinischen, mathematischen, naturwissenschaftlichen und philologischen Fächer. Gegen ihre Zulassung als Lehrer an höheren Schulen würde zwar für den Fall, daß ihre unterrichtliche Thätigkeit auf bestimmte Fächer, wie Physik, Mathematik, neuere Sprachen und Zeichnen, beschränkt würde, nichts zu erinnern sein, doch müsse Nachdruck darauf gelegt werden, daß es in diesen Schulen nicht sowohl auf die unterrichtliche, als vielmehr auf die erziehliche Thätigkeit ankomme, und daß die Gefahr bestehe, die Juden würden der christlichen Gesinnung entgegen wirken. Nur für Gewerbeschulen, die keine Erziehungs-, sondern Fachschulen seien, seien sie, abgesehen von der Stellung als Di-, rektoren, anstellungsfähig. Ein zu diesem Paragraphen eingebrachter Antrag, an einer der Landesuniversitäteu einen Lehrstuhl für jüdische Theologie auf Kosten der Juden zu errichten, wurde abgelehnt, nachdem die Regierung erklärt hatte, daß sie gegen die Errichtung eines solchen Lehrstuhls von Seiten der Juden nichts einzuwenden habe, wofern dieser nicht organisch mit der Universität verbunden fei. Die Debatte über diesen Paragraphen in der Kurie der drei Stände verlief in folgender Weise: Nachdem der Referent über die Verhandlungen der Kommission berichtet hatte, in der die Meinungen sehr getheilt waren, sprach er die Ueberzeugung aus, daß auch in diesem .Paragraphen sich die rückschrittliche Tendenz der Negierung deutlich zeige, und wurde darin von einem anderen Rednerunterstützt. Wenn man den Juden die Möglichkeit nehme.