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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 16

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
Antisemitismus und Medizin
Date
1899-01-01
Page
16 (sequence 16)
Language
German
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und Behandlung durch einen jüdischen Arzt zurückhalten. Hat man denn gar kein Gefühl mehr für dar Abstoßende der jüdischen Persönlichkeit? Und sind nicht Fälle, wie der in Rixdorf, genug vorgekommen? Einen besonders unheimlichen Blick in verborgene Tiefen eröffnet endlich der Hypnotismus mit der Suggestion. Welcher furchtbare Mißbrauch kann hier nicht von gewiffenlosen Aerzten getrieben werden? Und wir müffen befürchten, daß er von den jüdischen Aerzten betrieben wird. Darum füge man zu den Warnungen: „Kauft nicht bei Juden" rc.: „Laffet Euch nicht von jüdischen Aerzten behandeln!" — Giebt es eine schamlosere Kampfesweise, wie die so niederträchtiger und haltloser Verdächtigungen? Auf diesem Gebiete sind in der That die Antisemiten Meister, deren Autorität jeder unbedingt anerkennen wird. Kann man eigentlich von dieser Presse erwarten, daß sie, wenn ein jüdischer Arzt einen Fehltritt gegen Sitte oder Gesetz begeht, diese Gelegenheit vorübergehen lassen sollte, ohne den Einzelfall in der gehässigsten Weise gegen die Gesammtheit auszuschlachtcn, als ob es gelte, den nirgendwo aufgestellten Satz zu widerlegen, daß die jüdischen Aerzte durchweg Engel seien? Die schlechte That des Vereinzelten wird denn auch in jedem Falle als „ein neuer Beweis für die Gefahr hingestellt, welche das Eindringen des Judenthums in den Aerztestand in sich birgt." („Staatsb.-Ztg." 1. Okt. 1696.) Daß es den getauften Aerzten dabei nicht beffer ergeht als denen, die dem Glauben ihrer Väter treu geblieben sind, was übrigens an sich nicht weiter zu bedauern ist, dafür erbringt die Tagesgeschichte manches Beispiel, und hier und da muß selbst der jüdisch klingende Name eines echten Vollblutariers dazu dienen, das Judenthum herabzusetzen. Der jesuitische Grundsatz, daß der Zweck die Mittel heiligt, ist auch die oft erprobte Maxime der Antisemiten. Wie aber auch der zu gehässigen Angriffen auf die jüdischen Aerzte ausgebeutete Fall jeweils im einzelnen liegen mag, die Pointe der an ihn geknüpften Betrachtungen läuft stets und ständig, als ob es sich um die Bethätigung einer prinzipiellen Kampfesweise handelte, auf den Versuch der wirthschaftlichen Schädigung hinaus. Ein jüdischer Arzt vergißt sich in straffälliger Weise gegen eine Kassenpatientin, wie es vor nicht zu langer Zeit hier in

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