Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- Antisemitismus und Medizin
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 15 (sequence 15)
- Language
- German
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Antisemitismus und Medizin. 1b waren, darüber sollten sich die Antisemiten am wenigsten aufhalten, die es selbst dem loyalsten Juden unmöglich machen, in der heutigen Zeit konservative Gesinnungen zu hegen. Und trotzdem tritt ein beträchtlicher Theil der jüdischen Aerzte für die Errichtung von Ehrengerichten ein, der beste Beweis dafür, wie hinfällig die Behauptung der Antisemiten ist, daß die jüdischen Aerzte besondere Beranlasiung hätten, Ehrengerichte zu fürchten. Ich sagte vorhin, daß die christlichen Aerzte im Großen und Ganzen der antisemitischen Verhetzung unzugänglich geblieben sind. Dieser Mißerfolg kümmert die Judengegner freilich weniger, denn worauf es ihnen in der Hauptsache ankommt, das ist und bleibt doch, die gedankenlose Menge für ihre kulturfeindlichen Bestrebungen zu gewinnen und durch die Aufstachelung der niedrigsten Leidenschaften und die Verbreitung des Judenhasses die Juden wirthschaftlich zu .schädigen und zu schwächen. Wie weit ihnen die Erreichung dieses Zieles' gelungen ist, entzieht sich natürlich einer genaueren Beurtheilung, nur eines steht fest, daß, während früher der jüdische Arzt vielfach bevorzugt wurde, heute manche Familien auf die ärztliche Berathung durch einen Juden grundsätzlich verzichten. Mit welch' unwürdigen Waffen aber auch der Kampf gegen die jüdischen Aerzte seitens der antisemitischen Presse geführt wird, dafür habe ich oben schon eine Reihe von Beispielen gegeben, , die zur Charakterisierung der Gegner nur noch durch wenige weitere ergänzt werden mögen. In einem nichtswürdigen Artikel, der eine unserer ersten medizinischen Autoritäten auf Grund ihrer Zugehörigkeit zum Judenthum verunglimpft, schreibt „Frei-Deutschland" (Rr. 172,1896): „Bei dieser Gelegenheit mag im allgemeinen vor den jüdischen Aerzten dringend gewarnt werden. Denn abgesehen von dem Erwerbssinn, dem „Industrialismus", der sich nach den Klagen der anständigen Aerzte und Fachblätter immer mehr in diese freie Kunst hineinschleicht, dank den immer massenhafter eindringenden jüdischen Aerzten und trotz des feierlichen Doktoreides, enthält der Talmud bedenkliche Stellen, nach denen es den Juden erlaubt ist, an nichtjüdischen Kranken ihre „wissenschaftlichen Versuche" zu machen. Außerdem sollte der gute Geschmack und Naturtrieb jeden Deutschen und noch mehr die deutsche Frau von der Berathung