Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- Antisemitismus und Medizin
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 17 (sequence 17)
- Language
- German
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Antisemitismus und Medizin. 17 Berlin der Fall war. Das ist die Prämisse. Wie lautet der antisemitische Nachsatz? „Leider liegt das kassenärztliche Amt zum größten Theile in den Händen jüdischer Aerzte, was wir für um jo unheilvoller halten, als unsere Staatsbürger jüdischen Glaubens sich bekanntlich nicht nur durch die geschickte Ausnutzung aller geschäftlichen Gelegenheiten, sondern auch durch ihre leichte, in ihrer orientalischen Abkunst begründete Erregbarkeit auözeichnen. Das heiße orientalische Blut rollt ihnen eben schneller durch die Adern, als uns deutschen Kindern einer gemäßigten Zone, und es ist nicht richtig, dies außer Acht zu lassen. Mindestens sollte daher nach Möglichkeit vermieden werden, jüdische Aerzte als Kassenärzte für weibliche Personen zu verwenden, um so mehr, als die Anschauungen des Talmudjudenthums über die weibliche Ehre der "Christinnen sich nicht mit den unseren decken." S.o zu lesm in der „Staatsb.-Ztg." vom 17. Okt. 1896! Gegen derartige'Pamphlete sachliche Einwendungen machen, um sie in ihrer nichtswürdigen Nichtigkeit zu widerlegen, hieße in der That den antisemitischen Hetzern zu viel Ehre anthun; man darf sich in Ruhe darauf beschränken, sie wörtlich wiederzugeben und damit niedriger zu hängen. Aus demselben Loche pfeift der Wind der „Hannoverschen Post" (17. Aug. 1897), die es bei einer anderen Gelegenheit als eine Forderung der Gerechtigkeit hinstellt, daß die Krankenkassenürzte dort, wo keine jüdischen Krankenkassenmitglieder sind, sämmtlich christlich sind. Nun, die Erfüllung dieser und ähnlicher Forderungen der ^Gerechtigkeit" im antisemitischen Spezialsinne desWortes hat noch gute Wege, so lange der Gerechtigkeitsbegriff der großen Mehrheit des deutschen Volkes noch nicht in Verwirrung gerathen ist. Aber es bedarf zu einer erfolgreichen Abwehr der gehässigen Angriffe, deren wirthschaftliche Folgen wir jüdischen Aerzte weniger fürchten, gegen die sich aber unser menschliches Ehr- und Nechtsgefühl aufbäumt, hin und wieder der Beleuchtung der Ziele, welche die antisemitischen Agitatoren verfolgen. ES war gewiß ein höchst betrübendes Kulturbild, das ich hier nur in flüchtigen Umrissen gezeigt habe. Nicht ohne Erröthen gedenkt man des bald beginnenden 20. Jahrhunderts, und beklommenen Herzens fragt man sich, ob eine bessere 2