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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 11

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
Antisemitismus und Medizin
Date
1899-01-01
Page
11 (sequence 11)
Language
German
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iX ■vvnvij*nitu^111u»v Vor der Gerechtigkeit haben die Gegner der Juden, wie die Geschichte beweist, freilich niemals viel Respekt gehabt. Wären sie eines gerechten Urtheiles fähig, so würden sie den lobenLwerthen Eifer anerkennen, mit dem die jüdischen Aerzte in der Metropole an den wissenschaftlichen Arbeiten in den zahlreichen Vereinen, den gemeinnützigen Berathungen über das Wohl und Wehe des ärztlichen Standes, wie an den literarischen Arbeiten in der Fachpresse Theil nehmen, anstatt selbst bei Besprechung dieser erfreulichen Thatsache schwächlich seufzend auszurufen: „Giebt es überhaupt noch germanische Aerzte in Berlin?" („Staatsb.-Ztg." 9. Febr. 1898.) Fast jede der antisemitischen Publikationen, die sich mit den jüdischen Aerzten befassen, — und es sind ihrer in den letzten Jahren nicht wenige gewesen —* tragen den Stempel des ungerechtesten Vorurtheiles deutlich an der Stirn. Typisch für alle jene Hetzartikel ist jadie, die kritiklose Menge leicht blendende Verallgemeinerung, die bei allen Sünden und Vergehen einzelner niemals diesen einzelnen brandmarkt, sondern gleich die Gesammtheit an den Pranger stellt und frech ausruft: „Die Juden sind Betrüger", wenn einmal einer betrogen hat. Als in Barmen die Aerzte mit dem Vorstand der allgemeinen Ortskrankenkafle in Fehde lagen und, was ihnen vielfach zum Vorwurf gemacht wurde, in den Streik eintraten, schloß sich ein jüdischer Arzt diesem Vorgehen, das er vielleicht für inhuman oder unzweckmäßig hielt, nicht an. Giebt diese Thatsache den „Deutsch-sozialen Blättern" (6. Oktober 1898) auch nur einen Schein von Berechtigung, den Satz aufzustellen, daß man echte Kollegialität bei jüdischen Aerzten vergebens suchen wird? Wenige Wochen nach dem Barmer Aerztestreik stellten die Remscheider Aerzte aus taktischen Gründen ihre Thätigkeit an der Ortskranken-' kasse ein. Unter den 7 Aerzten, die treulos für die Kasse in die Bresche sprangen und ihre Kollegen im Kampfe um ihr Recht im Stich ließen, befand sich kein Jude. Wie bewährte sich da die Kollegialität der christlichen Aerzte? lieber den Begriff der Kollegialität läßt sich freilich streiten, und ich für meine Person muß dem antisemitischen Arzte, der von vornherein einer ganzen Klaffe von Kollegen nur um ihres Glaubens willen feindselig und gehässig entgegentritt oder gegenübersteht, das Recht bestreiten, das

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