Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- Antisemitismus und Medizin
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 12 (sequence 12)
- Language
- German
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die echte und wahre Kollegialität bezeichnende Wort auch nur in den Mund zu nehmen. Zum Ruhme des ärztlichen Standes muß aber festgestellt werden, daß die Zahl der judmfeindlichen Aerzte nicht besonders groß ist, mag diese Thatsache nun daran liegen, daß Weltklugheit die latent vorhandene antisemitische Gesinnung deckt, oder, wovon ich mehr überzeugt bin, daß die allgemeine Bildung und der humanitäre Sinn, der mit dem edlen Berufe des Arztes verknüpft ist, vor solchen Verirrungen des Geistes schützt. Diese Thatsache bedarf besonders mit Rücksicht darauf einer stärkeren Betonung, daß die antisemitische Presse in ihrem Kampfe gegen die jüdischen Aerzte sich so geberdet, als ob sie die christlichen Aerzte zum größten Theile hinter sich hätte. So meint die in Magdeburg erscheinende „Sachsenschau" in ichrer Nummer vom 3. Dezember v. I., daß es in allen größeren Städten Deutschlands säst keinen arischen Arzt mehr gebe, der nicht mindestens stiller Gegner der jüdischen Aerzte sei. Sie findet diese Erscheinung natürlich, denn — wie wiederum aus einem einzelnen Falle heraus, in welchem ein jüdischer Arzt nicht standesgemäße Reklame in den Tageszeitungen machte, argumentiert wird: „Durch das Ueberwuchern des jüdischen Elementes ist das Ansehen der Aerzte schon tief gesunken. Gegen den arischen Arzt wenden die jüdischen Aerzte alle Geschäftsgewohnheiten, alle erdenkbaren Konkurrenzmanöver an, die dem Juden nun einmal im Handel und Wandel eigen sind. Das Geschäft ist die Hauptsache, ob sie nun mit Knochen handeln, mit Hasenfellen hausieren, an der Börse fixen oder die Heilkunde ausüben, sie bleiben immer dieselben." Gar so durchdrungen scheint freilich auch die „Sachsenschau" nicht davon zu sein, daß zu ihrer Gefolgschaft viele christliche Aerzte gehören, denn am Schlüsse des zitierten Artikels heißt es weiter: „So lange die arischen Aerzte nicht zur vollen Ueberzeugung kommen, daß mit jüdischen Mächten kein Bund zu flechten ist, daß bei Kollegialität immer der christliche Arzt das Opfer wird, kurz, so lange sich die arischen Aerzte nicht eng aneinander schließen gegen die jüdischen Machenschaften und jüdische Gleißnerei, so lange wird das Judenthum in der Medizin und damit das Elend im ärztlichen Stande nicht schwinden. Die arischen Aerzte sollen einmüthig aufstehen und die Machenschaften der jüdischen Aerzte dem Publikum aufdecken, sie sollen