Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 5 (1899)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1899)
- Article
- Antisemitismus und Medizin
- Date
- 1899-01-01
- Page
- 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 3m deutschen Reich. schneiden? Gewiß, es ist so, 16 pCt. aller deutschen Aerzte sind jüdischen Glaubens, während die jüdische Bevölkerung in Deutschland nur etwas über 1 pCt. der Gesammtbevölkerung beträgt. Aber ich frage, würde der Prozentsatz jüdischer Aerzte nicht naturgemäß ein niedrigerer sein, wenn die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Judm zum Theil nicht nur auf dem Papier stände, wenn höhere jüdische Staats- und Verwaltungsbeamte nicht selten, wie weiße Raben, aktive jüdische Offiziere nicht rar wie Paradiesvögel in Deutschland wären? Als jüngst die Nachricht durch die Presse ging, ein jüdischer Arzt sei — horribile dictu — zum Stabsarzt für Kiautschou ernannt worden, da fragte die „Staatsbürger-Ztg." (Nr. 180, 1898) erstaunt und sichtlich entrüstet: „Sollte es wirklich nicht möglich gewesen sein, einen deutschen Arzt für 'den deutschen Vorposten in Ostafien zu finden?" Und wir fragen, weniger erstaunt, aber gleichfalls entrüstet: Ist denn nicht der Grundsatz gesetzlich festgelegt worden, daß die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder Konfession nirgends ein Hinderniß für den deutschen Staatsbürger bilden soll? Trotz des vorläufig wenigstens noch zu Recht bestehenden Grundsatzes der Gleichberechtigung macht sich die „Deutsche Tageszeitung" (13. Oktober 1898) angeblich zum Sprachrohr vieler Kreise, wenn sie als eines der sichersten Mittel, die Verhältnisse des Aerztestandes wieder gesunder zu gestalten, den Ausschluß oder die Beschränkung des Judenthums im Aerztestande empfiehlt. Was den Stand der aktiven Militärärzte betrifft, so bedarf es dieser Empfehlung bekanntlich kaum mehr. Der Kriegsminister hat zwar zu Beginn des verflossenen Jahres bei Gelegenheit der Berathung des Militäretats die Erklärung abgegeben, daß ihm keine Bestimmung bekannt sei, nach welcher jüdische Aerzte von der Armee ausgeschlossen seien. Das ist es ja eben, uns ist auch keine derartige Bestimmung bekannt, und trotzdem besteht die Thatsache, daß man aktive jüdische Militärärzte an den Fingern weniger Hände zählen kann, nicht etwa, weil die jüdischen Aerzte keine Neigung zu diesem Berufe verspürten, sondern aus anderen, naheliegenden Gründen. Als es galt, das Vaterland gegen den äußeren Feind zu vertheidigen, hat man nicht nach dem Glaubensbekenntniß gefragt, und aus dem deutsch-französischen Feldzuge sind zahlreiche Aerzte jüdischen Glaubens, die Brust mit dem eisernen Kreuze ge-