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Im deutschen Reich · 1899-01-01 · Heft 1 (Januar 1899) · p. 7

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
5 (1899)
Issue
Heft 1 (Januar 1899)
Article
Antisemitismus und Medizin
Date
1899-01-01
Page
7 (sequence 7)
Language
German
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von Schachergeist und Eigennutz wird sich die Thatsache, daß eine beträchtliche Anzahl jüdischer Aerzte einen hervorragenden Antheil an den Fortschritten der medizinischen Wissenschaft hat und noch heute erfolgreich an ihrer Weitereniwickelung mitwirkt, nicht aus der Welt schaffen lassen. Diese ihre Verdienste um die Wissenschaft würden die Antisemiten den jüdischen Aerzten vielleicht noch lassen, wenn es nicht gälte, ein höheres Ziel zu erreichen, die in der Praxis stehenden jüdischen Aerzte auf's Korn zu nehmen und zu treffen. Die Tagesgeschichte der letzten Jahre ist überreich an Beispielen, aus denen jene Absicht erhellt, und wie die ganze antisemitische Bewegung im Grunde genommen nur dem Brodneid entsprossen ist, so ist auch der Kampf gegen die jüdischen Aerzte nicht in letzter Linie auf wirthschaftliche Verhältnisse zurückzuführen. Es ist ein offenes Geheimniß, daß die ärztlich-sozialen Verhältnisse in unserem Vaterlande manches zu wünschen übrig lassen. Für jeden einigermaßen unterrichteten und objektiv urtheilenden Beobachter liegen die Gründe für die mißliche Lage des ärztlichen Standes klar zu Tage: Die moderne Krankenkassengesetzgebung hat einen beträchtlichen Theil der Bevölkerung der Privatpraxis entzogen, die Ueberproduktion an Aerzten wird von Jahr zu Jahr trotz aller Abmahnungen bedenklicher, die Kurpfuscherei steht in voller Blüthe und nimmt, durch keine gesetzlichen Schranken behindert, immer mehr an Ausdehnung zu. Schon diese drei Faktoren, um von anderen an dieser Stelle abzusehen, genügen hinlänglich, die Verschlechterung der ärztlich-sozialen Verhältnisse begreiflich zu machen. Das hält die Antisemiten nicht ab, den Juden bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit die Schuld an den Zuständen in die Schuhe zu schieben; die „Verjudung" des ärztlichen Standes ist das Schlagwort, das überall herhalten muß, wo die Betrachtung der Dinge Unzufriedenheit erweckt. Zugegeben, daß sich mehr Juden dem Studium der Heilkunde widmen, als prozentualiter zu erwarten wäre. Wollen die Antisemiten siä» hierüber wundern oder gar beklagen, die ihre ganze Kraft daran setzen, die den Staatsbürgern jüdischen Glaubens längst eingeräumte politische Gleichberechtigung nach Möglichkeit zu be-

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