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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 662

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1898-12-01
Page
662 (sequence 2)
Language
German
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662 Im deutschen Reich. und Verbreitung der Wissenschaft des JudenLhums ist, und wie richtig der Vorstand unseres CenLralvereins gehandelt hat, als er sich entschloß, jene Vereine, welche uns mit den geistigen Der- IheidigungSmiLteln versehen, mit einem Jahresbeiträge zu unterstützen. Selbstverständlich darf unter der Beschäftigung mit der Wissenschaft des JudenLhums die Pflege der allgemeinen Wissenschaft bei den Deutschen jüdischen Glaubens nicht leiden. Gerade am Schlüsse des e r st e n Aufsatzes des vorliegenden Jahrbuchs, in dem Professor Philippson einen Rückblick auf die Geschichte der Juden im Jahre 1897 giebt, bekämpft er mit Recht den separatistischen *) Geist, der sich in Folge der Anfeindungen des Antisemitisprus heute bei manchen Juden in ver Stiftung von spezifisch jüdischen Wohlthätigkeils-^ Bildungs- und Geselligkeitsvereinen zeigt. Philippson schließt seine Betrachtungen mit folgenden Worten: „Wir wollen treue, eifrige, selbstbewußte Juden bleiben, aber zugleich auch patriotische und hingebende Söhne desjenigen Volkes, dem wir Bildung, Sprache und Geistesrichtung verdanken, das uns ehedem in sich aufzunehmen verhieß und dem die fortschreitende Gesittung und Zivilisation auch sicher mit der Zeit wieder gerechtere und wohlwollendere Gefühle unsgegenüber einflößen wird." Daß der Verband der Literaturvereine auch selbst von separatistischem Geiste frei ist, beweist er dadurch, daß er sowohl bei Vorträgen, wie im Jahrbuche hervorragenden christlichen Gelehrten Gelegenheit giebt, die Ergebnisse ihrer Forschungen mitzutheilen. Im Jahrbuche finden wir Aufsätze zweier bedeutender christlicher Theologen: Cornill hat daselbst über die „Psalmen in der Weltliteratur", Wünsche über „Alexanders Zug nach dem Lebensquell" einen interessanten Aufsatz veröffentlicht. Von jüdischen Autoren haben außer den schon erwähnten auch Geiger^ Lazarus, Steinthal und andere Forscher von Ruf Aufsätze geliefert, deren Lektüre Gelehrten und Ungelehrten vielfache Anregung und Wissensbereicherung bieten wird. Hervorgehoben sei ein Aufsatz von Professor Kaufmann, der eine bisher unbekannte messianische Bewegung unter den Juden Deutschlands und des byzantinischen Reiches um das Jahr 1096 nachweist, ein Aufsatz über Kohelet von dem berühmten dänischen Literarhistoriker Georg Brandes und eine interessante Reiseschilderung M. Levirr' s: ein Besuch bei. den „Leuten der Gasse" in Palma. Als „Leute der Gasse" werden „chauvinistischen", wie er sich daselbst auödrückt, ist offenbar nur ein Schreib- oder Druckfehler.

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