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Im deutschen Reich · 1898-12-01 · Heft 12 (Dezember 1898) · p. 663

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 12 (Dezember 1898)
Article
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur [Rezension]
Date
1898-12-01
Page
663 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 068 in Palma — bekanntlich der Hauptstadt der zu Spanien gehörigen balkarischen Inseln — die Nachkommen der gewaltsam zum Christen» thume bekehrten Juden bezeichnet. Obgleich diese längst Katholiken geworden sind, erfahren sie doch von der übrigen, kulturell weit unter ihnen stehenden Bevölkerung Mißachtung uud gelegentlich heftige Verfolgungen. Wenn man diese Schilderungen liest, begreift man, daß der alte Militärstaat Spanien einem militärisch ganz ungeübten Gegner, der aber über die materiellen und geistigen Hülfsmittel moderner Civilisation verfügt, keinen ernsten Widerstand zu leisten vermag. Auch hier zeigt sich der alte Satz als richtig, daß wie Selbstüberhebung den einzelnen, so religiöse und chauvinistische Unduldsamkeit die Völker zu Falle bringt. Nach der nordamerikanischen Republik, dem ersten Staate, welcher den Anhängern aller Bekenntnisse das Bürgerrecht ertheilte, führt uns ein Aufsatz von Kayserling, der die Schicksale zweier amerikanischen Jüdinnen Rebekka Frank und Rebekka Gratz behandelt. ES ist interessant, wie in jenem Lande, das nur baare Unkenntniß für ein Land von Glücksjägern und Dollaranbetern halten kann, das früh erwachende Interesse an der Pflege der schönen Literatur und edlen Geselligkeit auch bald jüdische Kreise ergriff. Noch vor der Zeit der Henriette Herz und Nahe! Levin gab es in New-Aor! und Philadelphia jüdische Familien, deren Häuser die Stätten edler Gastfreundschaft bildeten, gab es amerikanische Jüdinnen, deren Salons die geselligen Centralpunkte berühmter Generäle und Staatsmänner, talentvoller Dichter und Schriftsteller waren. Jeder wird gern die Biographien der beiden, sich in gleicher Weise durch Bildung, Schönheit und Seelenadel auszeichnenden amerikanischen Damen lesen. Rebekka Gratz ist übrigens das Urbild der „Rebekka" des auch in Deutschland viel gelesenen Scott'schen Romans „Jvanhoe". Im Jahrbuche ist den wissenschaftlichen Aufsätzen auch einiges Belletristische von bedeutendem Werth beigegeben: Gedichte von K o m p e r t und P l a c z«!, sowie zwei sehr poetische und spannende Novellen. Allerdings hätte der einen von ihnen, einer Uebersetzung aus dem Neu-Hebräischen des in Rußland lebenden Dichters Peter Smolenski „Haß und Rache" der Spruch mitgegeben werden sollen: „Bewundere mich, doch folge mir nicht nach", den Goethe bekanntlich auf das Titelblatt seines Werthers setzte. Denn so mächtig auch das Schicksal des Helden uns ästhetisch ergreift, so ist es doch nur, wenn man sich in die Auffaffung der russischen Juden versetzt, ganz zu verstehen; die in der Dichtung hervortretende Tendenz wird man, wenn sie auch den poetischen Ein- 51

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