Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- Berlin
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 651 (sequence 5)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 651 suchte durch Vorlegung einer ganzen Anzahl gegen das Judenthum gerichteter Artikel der „SLaaLsb.-Ztg." nächzuweisen, daß die in dem Artikel der „Israel. Wochenschr." enthaltene Abwehr berechtigt sei und das erlaubte Maß nicht überschreite. Der Gerichtshof erachtete aber den Kläger für aktiv legitimiert, stellte dasVorliegen formeller Beleidigungen fest, hielt es aber für begreiflich, daß der Angeklagte durch die in der „Staatsb.-Ztg." häufig gegen das Judenthum gerichteten Angriffe fich persönlich in seinen Gefühlen als Mensch und Staatsbürger getroffen fühlen konnte. Das Urtheil lautete auf 50 Mk. Geldstrafe oder 10 Tage Gefängniß; auch wurde dem PrivaLkläger die Befugniß zur Veröffentlichung des Urtheils auf Kosten des Angeklagten zugesprochen. Dem „Berliner Tageblatt" wurde aus Schleswig-Holstein über einen von uns bereits mehrfach gekennzeichneten Führer der dortigen Antisemiten geschrieben: „Vormärzliche Schulverhältnisse herrschen in dem zum Gute Wulfshagen gehörenden Dorfe BLickstedt, dem Eigenthum des Führers der deutsch-sozialen Reformpartei Schleswig-Holsteins Grafen v. Reventlow. Vor etwa 2% Monaten brannte das Schulhaus ab, und seit dieser Zeit erhalten ea. 60 Schüler keinen Schulunterricht. Der Wulfshagener Gutsherr, der von Wohlwollen gegen den kleinen Mann überfließende Graf Reventlow, erachtet es, wie die „Schlesw.-Holst. Volksztg." meldet, nicht für nöthig, der Schule ein neues Heim anzuweisen. Der Lehrer ist seit dem Brande auf Halbsold gesetzt und wohnt mit seinen eigenen zehn Kindern in einer Dorfkathe. Graf Reventlow hat zwar den Versuch gemacht, die Blickstedter Schuljugend in den benachbarten Dörfern unterzubringen, doch ist dies nicht gelungen, da der Graf nichts bezahlen wollte. Die Gemeinde Tuttendorf hat sich bereit erklärt, die Kinder aufzunehmen, falls der Graf die erforderlichen Subsellien liefere. Das soll die Gutsherrschaft gleichfalls abgelehnt haben. Der Lokalschulinspektor habe sich mehrfach erfolglos bemüht, Abhilfe zu schaffen. Wir hielten diesen Bericht des zitierten Blattes für eine Uebertreibung und erwarteten, daß Graf Reventlow ein Dementi bringen würde. Heute sind drei Tage verflossen, und eine Widerlegung ist nicht erfolgt." Im Alter von 87 Jahren ist in Berlin der frühere Schulvorsteher I. Holländer gestorben, der fast bis an's Lebensende eine seltene Geistesfrische bekundete, noch im letzten Sommer Kollegien in der Universität besuchte und selten eine Versammlung des Central-Vereins versäumte. Seine neun Kinder, zu denen der Dirigent des Cäcilienvereins und die Wittwe des verstorbenen Präsidenten Paul Kayser gehören — haben sämmtlich Vornamen, die mit „Al" anfangen, was ihm den scherzhaften Beinamen „Allvater" eintrug. Die