Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-12-01
- Page
- 643 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 643 allgemeinen herabzuwürdigen bestimmt sind, so reißt dem antisemitisch gesinnten Theil der Bevölkerung endlich die Geduld, und wir fühlen uns verpflichtet, die Oeffentlichkeit zum Schiedsrichter anzurufen." Vor den „gerunzelten Brauen" des ehemaligen Reichstags» abgeordneten Zimmermann, des würdigen Genossen Lieber» mann's von Sonnenberg, tragen aber die sächsischen Behörden erst recht keine Scheu mehr, seit dieselben aus den in der „Deutschen Wacht" fortlaufend veröffentlichten Herzensergüffen der österreichischen Deutsch - Nationalen belehrt worden sind, auf welche Abwege die „nationale" Politik der deutsch-sozialen Reformpartei leitet. Von Liebermann von Sonnenberg schrieb anläßlich eines Ahlwardt - Vortrages das „Lüneburger Kreisblatt",. daß dort Ahlwardt verhältnißmäßig sachlicher und gerechter gesprochen habe, als seiner Zeit Liebermann. Die „Nordhäuser Ztg." bemerkte dazu: „Da Kreisblätter bekanntlich immer nur die Wahrheit schreiben, ist die Frage nicht unberechtigt, wie weit mag es wohl mit dem Antisemitenführer Liebermann v. Sonnenberggekommensein, wennselb st ein Ah hwardtsachlicher und gerechter spricht als.er?" Bisher konnte man weder bei Ahlwardt noch bei Liebermann v. Sonnenberg Sachlichkeit und Gerechtigkeit entdecken, wenigstens nicht ihren politischen Gegnern gegenüber." Was in dieser Beziehung die von Liebermann herausgegebenen „Deutsch-Sozialen Blätter" leisten, ist bekannt. Bemerkenswerth ist, daß dieselben seit einiger Zeit die von der „Deutschen Wacht" aus guten Gründen plötzlich eingestellte Polemik gegen die österreichische Negierung und die Wiener Klerikalen übernommen haben. Am 24. November brachte das Liebermann'sche Blatt einen Artikel, in dem gesagt wurde: „Es zerbirst der ganze mühsam zusammengebasteltete österrreichische Staatsbau. Denn billigen Kaufs ergiebt sich der deutsche Michel nicht. Allein geht er nicht zu Grunde; wenn der Mantel fällt, muß der Herzog mit! Können wir als Deutsche mit dem traurigen Geschick des schwergeprüften Greises Franz Josef wirklich aus vollem Herzen Mitgefühl haben? Als Menschen gewiß, als Deutsche nicht! Undank ist das Schwärzeste. Alles, was es ist und hat, dankt Habsburg deutschem Schwerte, deutscher Arbeit und deutscher Treue. Darum werden wir von Habsburg verrathen und verkauft. Verwinde, wer's kann, diesen „Dank vom Hause Oesterrreich!" Der Bürgermeister von Wien aber, der große Patriot und wackre Deutsche sieht in eisiger Ruhe dem Kampfe seines Volkes zu, er entrüstet sich über den „Hochverrath" der Deutschnationalen, und